Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Kuren beim östlichen Nachbarn

Studie der Techniker Krankenkasse zu Behandlungen im Ausland

Der beste Heilschlamm im Osten, so schwärmen Piestany-Reisende noch heute. Auch die Mineralquellen von Marienbad oder das Glaubersalz in Franzensbad wussten DDR-Bürger zu schätzen. Das scheint bis heute so geblieben, erst recht, seit die traditionellen osteuropäischen Kurbäder wieder in neuem »alten« Glanz erstrahlen. Zahlreiche Besucher aus den neuen Bundesländern wissen sich dort und auch in Polen oder Ungarn gut versorgt. Sie würdigen die Vielfalt der möglichen Heil-Anwendungen, den guten Service und nicht zuletzt die moderaten Preise für Mahlzeiten und Unterbringung, bestätigt eine Befragung der Techniker Krankenkasse (TK).

Die Versicherung konnte 15 540 Fragebögen ihrer Mitglieder mit über 30 000 Behandlungsfällen auswerten. Die Studie zeigte, dass es zwei wesentliche Gründe für eine gezielte Reise in EU-Staaten gab: Einsparung von Kosten und die Kombination von Behandlung und Urlaub. Mehrheitlich waren es Senioren ab 60 Jahren, die sich dafür entschieden. Auch der Trend in den neuen Bundesländern, eher Richtung Osten zu fahren, ließ sich nachweisen. Als Ursachen werden die geographische Nähe und die historische Bindung zwischen der DDR und den östlichen Nachbarn vermutet, denn westliche TK-Mitglieder reisen deutlich seltener in diese Staaten. Allein bei den Reisen nach Ungarn nähern sich die Zahlen an. Dafür könnten die günstigen Angebote für Zahnbehandlungen den Ausschlag geben. Bezogen auf alle TK-Versicherten liegen Österreich, Spanien und Italien noch vor Tschechien und Polen als Zielländer.

Rückenschmerzen, Bandscheibenprobleme und Knochenleiden stehen mit 87 Prozent an der Spitze der geplant im Ausland behandelten Erkrankungen. Mit 24 Prozent folgen Herz-Kreislauf-Probleme, danach Beschwerden des Atmungssystems. Der Studie zufolge wächst die Gruppe von Patienten, die zu Kuren und Eingriffen gezielt ins Ausland reisen. Das sind jetzt schon 40 Prozent aller im Ausland betreuten Patienten, vor sieben Jahren lag dieser Anteil noch bei sieben Prozent. Weniger zufrieden mit dieser Steigerung sind die deutschen Heilbäder und ihre Einrichtungen.

Die TK sieht sich durch die Kuren im Ausland unter dem Strich nicht entlastet. Daher unterstützt sie die Umsteuerung über die Grenzen hinweg nicht. Die Versicherten hätten sich in der Regel bereits bei ihrer Antragstellung für das Ausland entschieden. Außerdem sei die Erstattungshöhe auf das deutsche Preisniveau begrenzt.

Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen können seit 2004 in EU-Mitgliedstaaten auf Antrag über den Weg der Kostenerstattung in Anspruch genommen werden. Erstattet werden jedoch nur Leistungen nach anerkanntem wissenschaftlichen Stand. Die medizinischen Einrichtungen im Ausland müssen eine entsprechende fachliche Qualifikation vorweisen und einen Versorgungsvertrag mit der jeweiligen Krankenkasse haben. Kein Geld gibt es, wenn in Deutschland zwar andere als die gewünschte, aber ähnlich wirksame Behandlungsalternativen existieren. Bei der Abwägung dieser Entscheidung kann die Krankenkasse den Medizinischen Dienst einschalten. Entscheidend ist also der vorab gestellte Antrag an die eigene Kasse, wenn die Kur nicht vollständig aus eigener Tasche bezahlt werden soll.

Einschließlich der Patienten, die in der Privaten Krankenversicherung sind, und reinen Selbstzahlern geht die Europäische Kommission von fünf Prozent der Deutschen aus, die außerhalb ihrer Heimat medizinische Leistungen nutzen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln