Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Aufbau durch Abbau

Alle Jahre wieder: Das Bundeskabinett bestätigte gestern den Jahresbericht zur Deutschen Einheit. Bundesinnenminister Thomas de Maizière nahm dies zum Anlass, die Vereinigung als Erfolgsgeschichte zu bejubeln. Der Ressortleiter lobte den Ausbau der Verkehrswege sowie die Schaffung von Schulen und Wohnungen. Irgendwie symptomatisch, diese Sichtweise. Der Westdeutsche sieht die neuen Autobahnen und sanierten Häuserfassaden und meint, alles sei in Ordnung. Viel Neues im Osten, also muss die Einheit geglückt sein.

Zwar sind die Fassaden der Häuser wirklich gemacht und die Straßen frisch asphaltiert. Jedoch fehlt es dieser Kulisse an jungen Menschen, die sie mit Leben erfüllen könnten. Denn die Jungen sind auf und davon. Schwerin, Gera oder Schwedt: Viele ostdeutsche Städte vergreisen. Nur wer genauer hinsieht, wird erkennen, dass im Osten nach dem Prinzip »Aufbau durch Abbau« verfahren wurde. Und so stehen den neuen Schulen Hunderte Bildungsstätten gegenüber, die wegen Schülermangels dichtgemacht wurden. Auch für den Wohnungsbau gilt: Der Aufbau Ost war vor allem ein Abbau Ost. Hunderttausende Wohnungen wurden abgerissen, weil sie nach der Wende verwaist waren. »Stadtumbau Ost« nannte sich das wohl größte Abrissprogramm aller Zeiten. Aber so genau will es der Minister gar nicht wissen, sonst würde sich der eine oder andere nachdenkliche Satz in seiner Würdigung der Einheit finden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln