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David und Goliath auf Augenhöhe

Energie Cottbus empfängt heute die Berliner Hertha zum Spiel um die Spitze – zumindest auf kurze Sicht

Duelle zwischen Energie Cottbus und Hertha BSC sind etwas besonderes. Manche reden von einem Derby zwischen Brandenburg und Berlin, andere vom Vergleich des Provinz-Charme mit dem Hauptstadtstolz, und einige wie Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz vom Duell »Arm gegen Reich«. Die Begegnungen beider Klubs lassen sich aus vielen Blickwinkeln betrachten. Wenn sie heute im Stadion der Freundschaft gegeneinander antreten, ist eines aber unverkennbar: Es ist das Spitzenspiel der noch jungen Zweitligasaison.
Gegen Karlsruhe schaffte Raffael (r.) mit Hertha den Sprung an die Spitze.
Gegen Karlsruhe schaffte Raffael (r.) mit Hertha den Sprung an die Spitze.

Nach dem besten Saisonstart der Lausitzer im Profifußball treffen sich beide Mannschaften ungeschlagen und punktgleich auf Augenhöhe. Dennoch glaubt Wollitz, dass heute David gegen Goliath spielt. »Wir sind noch kein Aufstiegskandidat«, meint der Trainer. »Das hat man gegen Fürth gesehen, der Sieg war sehr glücklich.« Wollitz sieht seine Arbeit immer noch als Grundsteinlegung für die Zukunft, auch wenn vieles im Zusammenspiel schon passt und die Cottbuser mit dem schon siebenmal erfolgreichen Stürmer Nils Petersen die derzeit torgefährlichste Offensive der Liga haben. »Meine Truppe ist noch sehr jung. Es wird Rückschläge geben.«

Die Hertha aus Berlin, die mit einem Etat von 33 Millionen Euro etwa 20 Millionen mehr zur Verfügung hat als die Cottbuser, steht hingegen genau dort, wo sie sich selbst erwartet. »In 29 Spielen wollen wir immer noch da oben sein«, sagt Kapitän Andre Mijatovic. Das Selbstbewusstsein ist groß, von Zurückhaltung keine Spur. »Es ist schön, der Gejagte zu sein«, meint Christian Lell. »Wir sind gewappnet. Von oben spielt es sich einfacher«, sagt auch Peter Niemeyer.

Allerdings lief bei den Berlinern noch nicht alles rund. Bis auf den Karlsruher SC hat bisher jedes Team gegen Hertha getroffen und wie man dem Aufstiegsfavoriten Punkte abtrotzen kann, hat der 1. FC Union am vergangenen Wochenende beim 1:1 vorgemacht. Mit Aggressivität, Laufbereitschaft und Tempofußball hatte man den Stadtrivalen sogar am Rande einer Niederlage. »Gegen Mannschaften, die über Einsatzbereitschaft und Zweikampfstärke kommen, müssen wir uns noch verbessern«, sagt Trainer Markus Babbel.

Deswegen glaubt auch Wollitz, dass man die Berliner noch nicht davonziehen lassen muss. »Hertha wird am Saisonende vor uns stehen – so viel können die gar nicht falsch machen«, sagt der Cottbuser Trainer. »Aber in diesem einen Spiel können wir sie besiegen. Wir haben nichts zu verlieren und werden alles raushauen.« Auch die Spieler glauben nach den jüngsten Erfolgen an ihre Chance. »Wir sind heiß und wollen sie ärgern«, kündigt Kapitän Marc-Andre Kruska eine motivierte Energie-Elf an.

Helfen soll der Heimvorteil. Gestern waren noch rund 3000 Tickets zu haben, zum Anpfiff heute um 18 Uhr erwarten die Gastgeber aber ein mit knapp 21 500 Zuschauern ausverkauftes Haus. »Wir spielen dann nicht elf gegen elf, sondern 13 gegen elf«, freut sich Trainer Wollitz.

Etwa 1000 Plätze werden allerdings frei bleiben. Denn ob nun Derby, David-Goliath-Duell oder Spitzenpartie – für die Polizei, die mit mehr als 1000 Beamten rund um das Spiel im Einsatz sein wird und die Fanlager auseinanderhalten will, ist es vor allem ein Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko.

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