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Kerntest für Rot-Grün in NRW

Atommüll soll nach Russland geschafft werden

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in der vergangenen Woche den Transport von Atommüll aus dem Zwischenlager Ahaus nach Russland genehmigt. MATTHIAS EICKHOFF, Sprecher des Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen, kündigt Proteste an.
Matthias Eickhoff ist Sprecher des Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen.
Matthias Eickhoff ist Sprecher des Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen.

ND: Gewöhnlich sind Castor-Transporte schon einige Zeit im Vorfeld bekannt. Nun wurde am vergangenen Donnerstag eine Genehmigung für Transporte vom atomaren Zwischenlager Ahaus (NRW) nach Russland erteilt. Heute wollen sich die beteiligten Innenministerien aus Nordrhein-Westfalen, den betroffenen Transitländern sowie Sachsen – wo der Müll eigentlich herkommt – treffen. Danach können die Transporte auch schon losgehen. Was geht da vor sich?
Eickhoff: Die sächsische Landesregierung möchte 951 abgebrannte Brennstäbe aus dem ehemaligen DDR-Kernforschungszentrum Rossendorf, nahe Dresden, loswerden. Die hoch radioaktiven Brennelemente wurden 2005 in 18 Castor-Behältern in drei großen Konvois per Lastwagen über die Autobahn ins Zwischenlager Ahaus gebracht. Damals hieß es, dass nur Ahaus ein sicheres Lager für die Brennelemente sei. Nun heißt es plötzlich, es gebe Verträge, die einen weiteren Transport der Brennelemente nach Russland vorsähen. Und dass es diese Verträge auch schon damals gegeben hätte – davon war der Öffentlichkeit nur nichts bekannt. Wir fragen uns, warum der Atommüll dann noch 2005 unter großen Protesten für einige Jahre nach Ahaus gebracht wurde. Ich kann mir das nur mit einem Totalversagen von Politik und Atomaufsicht erklären. Die damaligen Transporte nach Ahaus waren gefährlich und eigentlich unnötig.

Die neuen Transportpläne wurden ja erst vor Kurzem bekannt. Wie verhalten sich die Behörden?
Mitte August ist erstmals etwas über die Russland-Transporte in die Öffentlichkeit gelangt. Die Transport-Anträge wurden am 21. Juli von der sächsischen Landesregierung beim Bundesamt für Strahlenschutz gestellt und am letzten Donnerstag genehmigt. Eine gründliche Planung und Antragsprüfung dauert normalerweise länger. Scheinbar sollen die Transporte schnell und unauffällig über die Bühne gehen. Nach anfänglichem Hadern gibt es nun erste Anzeichen, dass sich die neue rot-grüne Landesregierung in NRW »aus Sicherheitsgründen« gegen die Transporte ausspricht. Die Landesregierung könnte die geplanten Transporte damit verhindern. Die Castor-Transporte sind für SPD und Grüne ein Testfall, dass sie nicht immer nur gegen Atomkraft reden, sondern auch Taten folgen lassen. Dies könnte auch ein bundesweites Signal sein. Wie gesagt, heute wollen die betroffenen Innenministerien – mit Beteiligung aus NRW – die Details zur Transportdurchführung klären. Wir fordern eine Absage des Treffens durch die NRW-Landesregierung und einen generellen Stopp für Atomtransporte in NRW.

Aber wäre es nicht besser den Atommüll an den Absender – in diesem Fall also nach Russland – zurückzuschicken?
Nein, denn der Absender ist nicht Russland sondern Rossendorf, wo die Brennelemente verwendet wurden. Uns geht es aber auch grundsätzlich um Atommülltransporte, da sie die weltweit ungelöste Entsorgung verschleiern. Wir haben bei den Transporten von Rossendorf nach Ahaus protestiert. Und wir werden auch bei Transporten von Ahaus nach Russland auf die Straße gehen. Solche Transporte bergen immer große Gefahren und sind unverantwortlich. Staatliche Stellen bestreiten dies natürlich gern: 2005 hieß es noch, die abgebrannten Brennelemente aus Rossendorf seien nicht so gefährlich. Nun redet das Bundesamt für Strahlenschutz auf einmal von waffenfähigem Plutonium, das unbedingt raus aus Deutschland muss. In Wirklichkeit geht es doch darum, dass auch hierzulande niemand weiß, wohin mit dem Atommüll. Ahaus ist ja auch nur eine Leichtbauhalle. Da wird nach billigen Alternativen gesucht. Doch der Export des hoch radioaktiven Mülls wird in Russland die massiven Entsorgungsprobleme noch verschärfen.

Proteste organisieren wird bei der kurzen Zeit schwer fallen ...
Wenn die Transporte nicht von der Landes- oder Bundesregierung gestoppt werden, wird es Proteste auf der Straße geben. Nicht nur in Ahaus, sondern auch an der Transportstrecke – der A31, der A1 und in dem Verladehafen, von dem der Atommüll per Schiff nach Russland gebracht werden soll. In Russland haben Umweltschützer ebenfalls Proteste angekündigt. Da es drei Transporte mit jeweils sechs Castor-Lastwagen geben wird, werden die Transporte auch nicht unauffällig durchgeführt werden können. Die bundesweite Anti-Atom-Bewegung hat in letzter Zeit oft genug gezeigt wie kraftvoll sie ist. Das wird sie bei den bevorstehenden Castor-Transporten wieder zeigen.

Interview: Michael Schulze von Glaßer

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