Mit Baldrian zur Alltags-Heldin

IG Metall würdigt Arbeitskämpfe Ost nach 1990 und ihre Protagonisten

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Mutige Betriebsräte und kämpferische Belegschaften haben großen Anteil daran, dass im Osten nach 1990 etliche Betriebe trotz Treuhand erhalten blieben. Die IG Metall würdigt einige nun 20 Jahre danach in einem Buch.

Mindestens einmal im Quartal gab es schlaflose Nächte. Dann bekam Karla Birkmann, Chefin des Betriebsrats im Leipziger Geräte- und Reglerwerk, Kündigungslisten auf den Tisch. »Ich hätte nie geglaubt, dass ich so etwas einmal entscheiden muss«, sagt Birkmann, die bis 1990 Arbeiterin in der Fertigung war, dann aus Unzufriedenheit mit

dem ersten Nachwende-Betriebsrat für die Vertretung der Belegschaft kandidierte – und nun deren Abbau begleiten sollte. »Grausam« sei das gewesen; Schlaf war zeitweise nur mit Baldrian zu finden, erinnert sie sich. Immerhin gelang zunächst eine Privatisierung. Erst zehn Jahre später ging bei »Hartmann & Braun« das Licht aus.

Am Kampfgeist von Karla Birkmann lag das nicht. Sie ist eine von vielen Betriebsräten und Gewerkschaftern, die sich nach 1990 in ostdeutschen Betrieben an die Spitze von Belegschaften stellten und deren Einsatz oft zum Überleben der Betriebe beitrug. Viele Unternehmen, sagt Oli...

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