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In Pilzhäusern wie die Schlümpfe?

  • Von Reinhard Renneberg, Hongkong
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vignette: Chow Ming
Vignette: Chow Ming

Die Schlümpfe, bisher vor allem aus dem Fernsehen bekannt und im nächsten Jahr wohl auch aus dem Kino, hausen in ausgehöhlten Pilzen. Wenn die Kleinen das können – vielleicht taugen Pilze auch dazu, uns Große warmzuhalten? Als wir unser Haus in Berlin bauen ließen, wurde massenhaft mit Styropor isoliert. Das ist aufgeschäumtes Polystyrol, ein Erdölprodukt. Erfunden wurde es 1949 von dem tschechisch-deutschen Chemiker Fritz Stastny (1908-1985). Charakteristisch ist der Aufbau: zwei bis drei Millimeter große, zusammengebackene Schaumkugeln, besonders gut zu erkennen an Bruchstellen.

Geschäumtes Polystyrol wird als schockdämpfendes Verpackungsmaterial oder zur Wärmedämmung für Gebäude eingesetzt. Die Bauindustrie ist mit 60 Prozent des weltweiten Umsatzes der größte Abnehmer.

Doch bald beginnt vielleicht die Pilzzeit. Auf einer Bio-Farm in Kalifornien wächst in dunklen Containern die Öko-Alternative zum Styropor. Sogar Ziegel können daraus hergestellt werden. Philip Ross, Künstler und leidenschaftlicher Amateur-Pilzforscher, züchtet auf seiner Farm neue Varianten. Deren dünne wurzelähnliche Fasern formen unterirdisch ein riesiges und dichtes Netzwerk, das Myzel. Dieses weiße schwammige Material ist unglaublich stabil. Getrocknet hat es einige herausragende Eigenschaften: ungiftig, feuerfest, schimmel- und wasserresistent und besser wärmeisolierend als Glasfasern.

Im Dezember »züchtete« Ross 500 Ziegel, aus denen er einen Torbogen formte, welcher 1,8 Meter hoch und breit ist. Diese Konstruktion ist so strapazierfähig, dass beim Formen Metallfeilen und Sägeblätter zu Bruch gingen. Ein Nachbau ist derzeit im Kunstmuseum Stuttgart zu bestaunen. Doch das Ergebnis ist mehr als nur ein Kunstobjekt.

Das vielversprechende junge Unternehmen Ecovative errichtet derzeit eine fast 1000 Qadratmeter große Pilzfabrik. Geschäftsführer Eben Bayer sieht Myzel als einen holzähnlichen Plastikersatz. Das erste Produkt des Unternehmens, »Ecocradle«, könnte in der Verpackungsindustrie Styropor ersetzen. Im Frühjahr 2011 soll es auf den Markt kommen.

Damit könnte dann bald Schluss sein mit den Styropor-Flocken von Speisenbehältern an den sonst so herrlichen Hongkonger Stränden. Das Myzelmaterial nämlich ist biologisch abbaubar, es kann auch als Mulch im Garten dienen. Das erst drei Jahre alte Unternehmen erhielt für seine Projekte bereits zahlreiche Forschungsunterstützungen.

Die Pilzfäden »ernähren« sich beim Wuchs von Reisspreu und Baumwollkapseln. Das Ausgangsmaterial wird gemeinsam mit den Pilzen in die gewünschten Formen gesetzt, warm und dunkel gelagert und ein bis zwei Wochen später kann das feste Produkt aus der Form genommen werden.

Das nächste Produkt von Ecovative, »Greensulate«, soll traditionelle Hausisolierungen ersetzen. Laut Bayer ist das dicht gepackte Myzel sogar stark genug, um die Funktion hölzerner Balken zu übernehmen.

Meine kritische Frage an die frohlockenden Experten: Wenn das Material biologisch so gut abbaubar, also im Prinzip essbar, ist, muss man dann nicht mit gefräßigen Insekten rechnen? Schließlich wurde jüngst meinem chinesischen Kollegen an der Uni in nur zwei Monaten(!) Abwesenheit die gesamte Wohnungseinrichtung von Termiten »zerlegt« – mit Ausnahme der (offenbar ungenießbaren) IKEA-Regale. Ich würde also erst mal mit dem Pilzmetarial Lebensmittel verpacken und das mit der Hausisolierung (zumindest hier in Hongkong) noch verschieben!

Die Zukunft wird dann zeigen, ob wir es irgendwann den Schlümpfen gleichtun können ...

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