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Reagiert: China

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Weil Stockholm dem Dissidenten Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis verlieh und damit weltweit ein Signal gegeben wurde, einen Menschenrechtler von der Verunglimpfung des »Kriminellen« zu befreien, spricht Peking nun von »Einmischung in innere Angelegenheiten«.

Als der russische Dichter Boris Pasternak vor Jahrzehnten den Nobelpreis für Literatur bekam, bezeichnete die »Prawda« dies als »untauglichen Versuch, sich über den Umweg dieser Preisverleihung in Dinge einzumischen, die einzig in die Befugnisse der Sowjetunion gehören, nicht in die des westlichen Auslandes«. Als Stefan Heym seinen Roman »Collin« in der Bundesrepublik veröffentlichte und BRD-Medien von der Zensur Ostberlins sprachen, vermeldete ADN, dies sei eine »grobe Einmischung in Rechtsvorschriften der DDR«.

Die Liste großer wie kleiner Beispiele ist groß: Einmischung in innere Angelegenheiten – in jeder verstaatlichten Gesellschaft ist das der verschlissene gestanzte Ausdruck für die Verweigerung von Weltoffenheit. Das Diktaturensyndrom, nicht nur unter »sozialistischem« Vorzeichen. Wo eine Doktrin besonders laut betont wird, ist sie gerade im Zerbröseln; wo eine innere Stabilität besonders heftig ins Feld geführt wird, bekam sie erfahrungsgemäß längst Risse. Die Sprachregelung ist das künstliche Verzögerungsorgan der Geschichte, es ist die Illusion, die Realität könne wegargumentiert werden. Die Sprachregelung ist eine Schmerztablette gegen die Wahrheit. Wir denken ein wenig an den Propagandaminister Saddams, der die US-Amerikaner aus dem Land hinausredete, da fuhren die Panzer schon hinter ihm durchs Blickfeld der Kamera.

Wenn der totalitäre Staat von innerer Einmischung spricht, dann träumt er Imprägnierung und steht doch mehr denn je im Regen. Just das Verurteilen der Botschaft sagt: Da wurde eine Botschaft sehr wohl verstanden – eben auch die des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo. Vor allem in China.

Jan Helbig

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