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Die Welt als Rätsel

Vamba Sherif: »Geheimauftrag in Wologizi«

  • Von Manfred Loimeier
  • Lesedauer: 2 Min.

Das steigende Interesse an Kriminalliteratur ebnet jeglichen Büchern, die diesem Genre zugerechnet werden können, den Weg zu internationaler Leserschaft. Davon profitieren auch Autoren aus der bisherigen Peripherie – wie der 37-jährige Vamba Sherif, der in Liberia zur Welt kam, in Kuwait aufwuchs und seit 1993, der irakischen Invasion in Kuwait, in den Niederlanden lebt. Dort profilierte sich Sherif neben seinem Jura-Studium als Schriftsteller und hat mit dem Roman »Geheimauftrag in Wologizi« ein spannendes Werk geschrieben, das souverän mit den Klassikern der Weltliteratur spielt.

Ein Mann, William Mawolo, kommt in ein entlegenes Grenzdorf und soll dort das Verschwinden nicht nur eines Kommandanten, sondern einer ganzen Soldateneinheit aufklären. Im Dorf begegnet man William mit Misstrauen, und ausgerechnet Hawah Lombeh, die ihm als einzige Sympathie und sogar Hingabe entgegenbringt, stößt William von sich. Zwar bemerkt er rasch, dass ein Tabu, ein Zauber über dem Dorf und dem Verschwinden der Männer liegt, aber je näher er der Lösung dieses Rätsels kommt, desto mehr bringt er sich selbst in Gefahr – und verliert so schließlich sein Leben.

»Geheimauftrag in Wologizi« ist ein zugleich fesselnder wie verstörender Roman. Fesselnd, weil die Spannung bis zuletzt steigt und in einer Wendung endet, die den Leser wie William selbst überrascht; verstörend, weil das Rätsel zwar gelöst, dem Zauber aber kein Ende bereitet wird. Logik und Rationalismus stoßen hier an ihre Grenzen und müssen akzeptieren, dass es noch andere, gewaltigere Mächte gibt. Natürlich lässt die Konstruktion einer solch düsteren Herrschaft an Joseph Conrads »Herz der Finsternis« denken, aber Sherif nimmt auch eine Umwertung vor: Wer sagt denn, dass alles immer aufgeklärt werden muss, warum kann man etwas Rätselhaftes nicht einfach als solches belassen, und wer weiß überhaupt, ob jegliche logische Erschließung immer vernünftig und was eigentlich Vernunft ist?

Sherifs Roman ist in einer knappen, präzisen Sprache gehalten, und auch diese Unerbittlichkeit, mit der Sherif das Geschehen um William vorantreibt, irritiert die Lesererwartung, welche angesichts zauberhafter Magie eine opulente Ausgestaltung der Romanhandlung erwartet. Stattdessen schwankt »Geheimauftrag in Wologizi« zwischen Traum und Albtraum, und nur eines ist klar: Ein glückliches Erwachen gibt es nicht.

Vamba Sherif: Geheimauftrag in Wologizi. Roman. Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Peter Hammer Verlag. 180 S., geb., 19,90 €.

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