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Heinz Draehn tot

Gereimtes

Es gibt böse Spaßmacher, und es gibt beliebte. Alles eine Frage der Proportionen. Beliebtheit entsteht zum Beispiel auch dort, wo jemand spitz ist, ohne wirklich zu überspitzen. Abblenden, bevor das Happy End gefährdet wäre. Angriffslustig sein, ohne der guten Laune weh zu tun. Angriffs-lustig? Genau genommen: eine Paradoxie, unvereinbar beides. Aber machbar. Heinz Draehn als Kuddeldaddeldu!

Draehn (ND-Foto: Frotscher), 1921 in Rostock geboren, fuhr zur See, war nach dem Zweiten Weltkrieg Hafenarbeiter, spielte Laienkabarett, kam 1954 zur Berliner »Distel«, wo er über drei Jahrzehnte blieb. Und wer noch das DEFA-»Stacheltier« kennt, kennt auch ihn noch. Als das DDR-Fernsehen mit »Klock 8, achtern Strom« eine Antwort auf die bundesdeutsche TV-»Hafenbar« versuchte, gehörte Kuddeldaddeldu gleichsam zum Klön-Inventar, etwa in Dialogen mit »Polizeiruf 110«-Kommissar Peter Borgelt als Kuddeeldaddelich.

Kuddeldaddeldus Texte stammten von Hans Krause. Reime auf eingängigem Niveau. So hat Draehn das Kabarett manchmal unverblümt mit der Volkstümlichkeit der Hochzeits- und Abiturzeitungs-Poesie versöhnt. Dies aber ist, ganz ohne Spott bemerkt, doch auch eine künstlerische Emanzipation – hin zum Publikum, hin zu dem, was ein Eugen Roth perfekt beherrschte. Und immerhin stand bei diesem gemütlich-bauchfreudigen, eher dem Humor als dem Witz gewogenen Herrn K. eine Ringelnatz-Figur Pate.

Heinz Draehn, vielleicht sogar eine Kultfigur östlicher Gemütsbesonntheit, ist am 12. Oktober im Alter von achtundachtzig Jahren in Bernau bei Berlin gestorben.

hds

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