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Endlich Zeit zum Deutsch Lernen

Der Verein »Al-Dar« bietet arabischen Migrantinnen kostenlose Sprachkurse an

  • Von Nissrine Messaoudi
  • Lesedauer: 3 Min.

Leila S. lebt seit 30 Jahren in Berlin und spricht nur gebrochen Deutsch. Vor Jahren hat die Mutter von sechs Kindern bereits ein Jahr lang einen Deutschkurs besucht, mit nur wenig Erfolg. »Die Lehrerin hat mit uns immer nur Deutsch gesprochen. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, konnte sie mir nicht helfen«, erklärt die 46-Jährige. Jetzt besucht Leila S. einen neuen Kurs, dieses Mal läuft es besser und sie macht große Fortschritte. Im neuen Kurs fühlt sich Leila gut aufgehoben. Sie empfindet keinen Druck und traut sich, Fragen zu stellen. Wenn ihr mal eine Vokabel fehlt, wechselt sie einfach ins Arabische, denn die Kursleiterin Maysaa Salameh-Wolf hat selbst arabische Wurzeln.

»Die rund 20 Frauen kommen gerne und freiwillig hier her. Sie sind außerdem sehr motiviert, etwas zu lernen«, so Salameh-Wolf. Suad A. ist eine von ihnen. »Eigentlich hatte ich heute einen Termin im Bezirksamt, aber ich habe ihn verschoben, damit ich hier her kann«, sagt die 42-Jährige. Nachdem ihre Kinder sie im Scherz des Schulschwänzens bezichtigt haben, sei sie zum Kurs gekommen. Schließlich müsse sie ihnen ein Vorbild sein, so Suad.

Wie die Mehrheit der Kurs-Besucherinnen kommt sie aus Libanon, ist aber eigentlich Palästinenserin. »Meine Eltern sind Flüchtlinge von 1948. Ich bin in Libanon geboren und habe bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr dort gelebt. Wie die anderen Frauen ist sie nach Berlin gezogen, weil ihr Ehemann hier gearbeitet hat. Das ist jetzt schon 28 Jahre her. Der Grund, warum die meisten der Kursbesucherinnen spät anfangen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, ist ihre Familie. Mit fünf, sechs oder sieben Kindern bleibt neben der Haushaltsführung kaum Zeit für etwas anderes. »Meine Kinder sind mir sehr wichtig, daher wollte ich sie gut erziehen. Jetzt sind sie alt genug, jetzt kann ich etwas für mich tun«, erklärt Suad A. Ihre Kinder und ihr Ehemann sind stolz auf sie. Die Kinder helfen ihr sogar bei den Hausaufgaben.

Der Kurs wird vom Verein »Al Dar« (arabisch für das Haus) angeboten, der sich an Familien arabischer Herkunft wendet. »Wir verstehen uns als Selbsthilfegruppe, denn alle Mitarbeiter des Vereins haben ebenfalls einen arabischen Migrationshintergrund«, sagt Vereinsgründerin Renèe Abul-Ella. Sie selbst ist Palästinenserin aus Libanon und musste 1976 das Land wegen des Krieges verlassen. 1984 kam der ausgebildeten Journalistin die Idee, einen Verein zu gründen, in dem »arabische Migranten anderen arabischen Migranten helfen«. Der Deutschkurs ist nur ein Teil des Angebots. Der Hauptteil der Arbeit läuft über Schulen. Dort suchen Beschäftigte von »Al Dar« Kontakt zu Schülern mit Migrationshintergrund, die beispielsweise dem Unterricht nicht folgen oder ihn stören. »Wir versuchen, die Gründe dafür herauszufinden und sprechen mit den Lehrern und den Eltern«, so Abul-Ella. Oft vermitteln sie zwischen Lehrern und Eltern. »Obwohl beide Seiten in der Regel das beste für das Kind wollen, gibt es Schwierigkeiten, weil beide Parteien nicht auf der gleichen Ebene kommunizieren. Wir helfen dann bei der Verständigung«, sagt die 66-Jährige.

Die Miete für die laufenden Kosten des Vereins übernimmt der Senat für Integration, Arbeit und Soziales. Rund 20 Prozent muss die Initiative selber tragen. Das sei nicht leicht, denn Geld könne sie von den Frauen oder Familien, die selbst mit wenig auskommen müssen, nicht verlangen, so Abul-Ella.

www.al-dar.de

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