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Angekommen im Abstiegskampf

2:2 im Kellerduell – Schalke und Stuttgart laufen den eigenen Ansprüchen weit hinterher

  • Von Daniel Theweleit, Gelsenkirchen
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Beliebtheitswerte von Christoph Metzelder auf Schalke sind bescheiden, und das ist noch eine freundliche Umschreibung dessen, was viele denken, seit der Ex-Dortmunder im königsblauen Trikot spielt. Doch eines können Sie dem Innenverteidiger gewiss nicht vorwerfen: Mutlosigkeit. Während die meisten Schalker immer noch in den Fantasien von einer wunderbaren Zukunft schwelgen, ist Metzelder nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart in der Realität angekommen. Er ist der erste Schalker, der es wagte, das Wort »Abstiegskampf« auszusprechen. Diese Situation fordere »Respekt«, es gehe »jetzt nicht mehr um Fernziele«. Metzelder kennt die Zerstörungskraft, die der Strudel des Tabellenkellers entwickeln kann, »uns fehlen Leichtigkeit und Souveränität«, stellte er fest, »die Situation wird von Woche zu Woche prekärer«.

Es waren dramatische Worte des Verteidigers, die sich auch an Felix Magath richteten. Denn der Trainer gehört zur großen Fraktion jener Schalker, die die Tabelle ausblenden. »Gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit haben wir sehr guten Fußball gespielt, auf die gezeigte Leistung müssen wir in den kommenden Partien aufbauen«, sagte Magath und lobte die »Moral« seines Teams, das nach Stuttgarter Führungstoren von Timo Gebhart und Martin Harnik zweimal durch Edu und Klaas-Jan Huntelaar ausgeglichen hatte. Magath ist auch nach dem verpassten Sieg gegen den Tabellenletzten fokussiert auf sein sportliches Projekt, das von einer ähnlichen Komplexität zu sein scheint, wie der Bahnhofsbau von Stuttgart. Bisher jedenfalls ist es noch niemandem gelungen, diesen Verein mit einer neuen Spielkultur auszustatten, zuletzt scheiterte Fred Rutten an diesem Unterfangen.

Tatsächlich erinnerte das 2:2 gegen den VfB an die Rutten-Tage, wie damals spielt Schalke in diesem Jahr an den besseren Tagen beinnahe gut. Aber eben nur beinnahe, so wie am Samstag. Raul hatte viele Ballkontakte und einige gute Ideen, José Manuel Jurado machte sein bestes Spiel für Schalke, dank des Spaniers kombiniert die Mannschaft mittlerweile gekonnt um den gegnerischen Strafraum herum.

Die Stuttgarter haderten derweil mit dem Schiedsrichter, der einen dritten regulären Treffer wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt hatte. »Das konnte man mit bloßem Auge sehen, ich frage mich langsam, ob die Assistenten das Spiel leiten«, fluchte Fredi Bobic, der ansonsten sehr zufrieden war und sich in der Entscheidung, Trainer Christian Gross zu entlassen, bestätigt sah: »Das war gut, so spielt man Bundesliga«, sagte der Sportdirektor.

Für Interimscoach Jens Keller geht das Abenteuer also erstmal weiter. Wenn er in den kommenden Wochen Erfolg hat, könnte er sich als Bundesligatrainer etablieren. »Er hat jetzt eine Riesenchance, und man merkt, dass er diese Chance unbedingt packen will«, sagte Harnik, allerdings sondiert die Klubführung parallel den Markt für Übungsleiter. »Ich kann mir über meine Zukunft keine Gedanken machen, wenn die Ergebnisse kommen, ergibt sich das von selbst«, sagte Keller, der gebürtige Stuttgarter mit dem Traumjob vor der Nase. Die Freude an der großen Bundesligabühne war ihm deutlich anzumerken, und das hat der Mannschaft gut getan.

In der Tabelle stehen die Stuttgarter zwar weiterhin am Tabellenende, doch nach diesem kleinen Erfolg entstand der Eindruck, dass der VfB dem FC Schalke ein Stück voraus ist. Denn die Schwaben sind längst mittendrin im Abstiegskampf, während von den Schalkern erst ein einziger Spieler auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist.

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