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Unter Kritik ins Wintersemester

Neuer Präsident der Humboldt-Univerität nimmt Amt auf / Studierende skeptisch

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Die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) hat seit gestern offiziell einen neuen Präsidenten. Jan-Hendrik Olbertz wurde im Frühjahr gewählt und trat mit Beginn des Wintersemesters 2010/11 seine Amtszeit an. Die Universität selbst begrüßte ihn schon nach seiner Wahl euphorisch. »Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Kultusminister von Sachsen-Anhalt, wurde heute Morgen mit überwältigender Mehrheit (49 von 57 Stimmen) vom Konzil zum neuen Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin gewählt«, hieß es in einer Pressemitteilung im April 2010. Unter anderem verspricht sich die HU neuen Schwung für die nächste Bewerbungsrunde zur bundesweiten Exzellenzinitiative, bei der sie den prestige- und fördergeld-trächtigen Rang einer Elite-Uni bislang verpasste.

Die Begeisterung für den neuen Präsidenten teilen nicht alle. Der ReferentInnenrat (RefRat) der HU gibt sich skeptisch. »Die Begeisterung, mit der Herr Olbertz nun begrüßt wird, erinnert sehr an die Euphorie, mit der auch sein Vorgänger Markschies als neuer Messias gefeiert wurde«, sagt Gerrit Aust vom RefRat der HU.

Der Theologe Christoph Markschies entschied bereits Ende 2009, sich nicht erneut zur Wahl stellen zu lassen. Im Frühjahr schließlich teilte die HU mit, Markschies werde bereits zwei Monate vor Ablauf seiner Amtsperiode das Präsidentenamt für seinen Nachfolger zur Verfügung stellen. Hierdurch wolle Markschies seinem Nachfolger die Möglichkeit geben, sich optimal in die Erarbeitung des Antrags der Humboldt-Universität zur dritten Förderlinie der Exzellenz-Initiative von Bund und Ländern einzubringen, hieß es.

»Olbertz steht sehr für die Exzellenz-Initiative«, so Aust. »Wir halten diese Initiative jedoch für einen Fehler, der mittelfristig zu viel Geld kosten wird.« Auf lange Sicht wolle Olbertz mehr Macht und mehr Geld für das Präsidium. »Das bedeutet weniger demokratische Entscheidungen und mehr präsidiale Diktatur.«

Bisher habe man einen positiven Eindruck vom neuen HU-Präsidenten bekommen, da Olbertz das Gespräch mit allen Beteiligten suche, so Aust. In der Zukunft sehe der RefRat jedoch keine wirklichen Verbesserungen, da Olbertz in bildungspolitischer Sicht andere Ziele verfolge als der ReferentInnenrat der HU.

Zum Amtsantritt des neuen Präsidenten wurde Kritik auch betreffend der bisherigen wissenschaftlichen Arbeit Olbertz' laut. Der 1954 in Berlin geborene Erziehungswissenschaftler habe sich bei Studium und Promotion dem DDR-Regime zu sehr angepasst. Olbertz, der nie SED-Mitglied war, bestreitet dies. Zur Politik kam der in Halle lehrende Wissenschaftler als Seiteneinsteiger: 2002 folgte er dem Ruf von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), als Kultusminister nach Sachsen-Anhalt zu wechseln. Überregional arbeitete Olbertz in verschiedenen Bildungskommissionen auf Bundesebene mit, in denen es etwa um die Auswertung der Pisa-Studien ging.

Neuer Präsident an der Humboldt-Universität

  • Jan-Hendrik Olbertz, Erziehungswissenschaftler und Ex-Kultusminister von Sachsen-Anhalt, wurde im Frühjahr 2010 zum neuen Präsidenten der HU gewählt.
  • Seit 2005 ist er Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages.
  • An der Hochschule lernen 33 730 Studierende in 258 Studiengängen an 11 Fakultäten (Stand Sommersemester 2010).
  • Es gibt 38 Sonderprofessuren, 13 Stiftungsprofessuren und insgesamt 1756 wissenschaftliche Beschäftigte.

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