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Der Mann, der uns die Oma schuf

Kino, die Liebe seines Lebens – Regisseur Roland Oehme zum 75. Geburtstag

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Heitere Filme, gute Lustspiele und Komödien waren nicht unbedingt das, womit die DEFA kontinuierlich zu glänzen vermochte. Vor den Spaß der Zuschauer hatten die Götter die Intelligenz der Geschichtenerfinder und Pointenschreiber gesetzt, doch die rieb sich, sofern vorhanden, oft an zu viel gerunzelten Stirnen und erhobenen Zeigefingern der verantwortlichen Bedenkenträger. Wie sollte es auch anders sein in einer Gesellschaft, die sich nie allzu viele Freiheiten gestattete, um ihre kleinen Macken und großen Tücken lachend zu überwinden?

Roland Oehme, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, hat es dennoch immer wieder versucht. Konsequent wie kein anderer DEFA-Regisseur blieb er dem heiteren Genre treu, von seinem Erstling »Mit mir nicht, Madam!« (1969, gemeinsam mit Lothar Warneke) bis hin zu seinem letzten Film »Farßmann oder Zu Fuß in die Sackgasse« (1991) nach Erzählungen von Hermann Kant. Sein größter Erfolg war die Komödie »Der Mann, der nach der Oma kam« (1972); die unverwüstliche »Kino-Eule« Renate Holland-Moritz hatte ihm dafür die Vorlage geliefert.

Oehmes Filme handeln von Widersprüchen zwischen Ideal und Wirklichkeit, Schein und Sein, offizieller Rhetorik und privater Realität. »Der Mann, der nach der Oma kam« beispielsweise wies auf die fehlende Gleichheit zwischen den Geschlechtern hin, »Einfach Blumen aufs Dach« beschrieb, wie gut es jemandem gehen kann, der eine Staatskarosse Marke Tschaika fährt: Kleider machten eben auch im Sozialismus Leute. Einem Filmstoff trauert Oehme noch heute nach, »Der radlose Mann«, über einen Strafgefangenen, dem beim Hafturlaub die Räder seines Trabant geklaut werden. Das Ministerium des Inneren war strikt dagegen. Das Projekt starb vierzehn Tage vor Drehbeginn.

Nach dem Ende der DEFA inszenierte Oehme die Störtebeker-Saga auf der Freilichtbühne Ralswiek. Immer neue Folgen, zehn Jahre lang. Anschließend folgte die Freilichtbühne in Waren, mit der Müritz-Saga aus dem Dreißigjährigen Krieg. Und das Kino? »Wenn ich sehe«, sagt Oehme, »welchen Zwängen sich meine Kollegen heute beugen müssen, denke ich, dass es richtig war, einen Schlussstrich zu ziehen. Auch wenn das Kino die Liebe meines Lebens war.«

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