Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Selektion per IQ?

Karikatur: Christiane Pfohlmann
Karikatur: Christiane Pfohlmann

Eltern stehen heute massiv unter Druck, das »Beste« aus ihrem Kind herauszuholen. Oft bleibt das »Genie, das in jedem steckt«, auf der Strecke, wie der Biologe Werner Siefer kürzlich schrieb. Siefer bezieht sich auf eine Studie der Psychologin Angela Duckworth (University of Pennsylvania), die im »Durchhaltevermögen gesteckter Ziele« und nicht im Intelligenzquotienten einen Erfolg begründet sieht. Anders der Mediziner Manfred Spitzer. Für ihn sei es eine Frage der Zeit, wann Kinder per Gentest der geeigneten Schule zugewiesen werden könnten, erklärte er vor Wochenfrist auf zeit.de. Spitzensportler »trainierten alle maximal gleich«, so dass Gene zur Entscheidung über Goldmedaillen führten. Dies übertrug Spitzer auf Schulen und bedauerte deren Mittelmäßigkeit. Dort, wo diese Maximalleistungen verlangten, zeigten sich Differenzen, womit der Beweis verschiedener Begabungen und damit die Relevanz der Gene erbracht sei. Unterschiedliche Weizensorten würden auch auf dem jeweils besten Boden wachsen.

Sieht man einmal davon ab, dass der Vergleich Mensch-Weizen wissenschaftlicher Blödsinn ist, fällt vor allem Spitzers im Gewand zwingender Technologie-Logik verkleidete Menschenverachtung auf. Die Überhöhung technologischer Möglichkeiten, der einseitige Fokus auf eine allgemeine Verbesserung des Menschen, die Simplifizierung komplexer Inhalte führen zu einem unverhohlen sozialen Sarkasmus. Demgegenüber liest sich die Studie von Duckworth als empirischer Befund Humboldtscher Bildung, dernach sich der Mensch in stetiger »Auseinandersetzung mit der Welt« selbst bildet. Auch wenn diese Studie Gefahr läuft, den Anteil an Zufall, Emotion und stiller Gehirnleistung am Erfolg zu negieren, wird sie gerade wegen der in der »Auseinandersetzung der Welt« enthaltenden sozialen Komponente interessant. Es ist an der Zeit, Forschung daran zu messen, inwieweit sie dem Menschen als soziales Individuum gerecht wird. In diesem Sinne geht es auch um ein nachhaltiges Menschenbild.

Die Autorin ist Erziehungswissenschaftlerin und lebt in Berlin.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln