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»Für einen Ausländer ganz nett«

Register Friedrichshain präsentierte Ergebnisse der Umfrage »Servicewüste für Rassisten«

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Friedrichshain ist bekannt für seine Kneipen, Bars und eine bunte Kiezszene. Doch dieses heitere Bild des Stadtteils wird getrübt durch die Tatsache, dass Friedrichshain seit 2006 die Statistik der extrem rechten Gewalttaten anführt. Dies in Verbindung mit einem latent zunehmenden Alltagsrassismus, der dem Stadtteil attestiert wird, war Auslöser für eine Umfrage unter Gewerbetreibenden und UnternehmerInnen zum Thema Rassismus und Diskriminierung.

Demnach haben nur einige wenige Unternehmer bereits eigene Erfahrungen mit rechten Übergriffen gemacht (3,2 Prozent). Auch wissen die wenigsten um derartige Vorfälle in der Nachbarschaft. Ein Gutteil gab jedoch an, sich vorstellen zu können, dass Kunden und Gäste sich ob solcher Vorfälle im Umfeld nicht wohlfühlen. Auffällig ist, dass etwa ein Drittel der Befragten von Rassismus und Diskriminierung im Alltag berichtet (33,3 Prozent). »Viel schlimmer als Nazis« seien Äußerungen wie »Für einen Ausländer ist er aber ganz nett«, heißt es beispielsweise in der Antwort eines befragten Unternehmens.

Insgesamt 650 Fragebögen verteilte das Register Friedrichshain in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. 300 davon wurden direkt von Heike Weingarten (Register Friedrichshain) an die Gastronomen gereicht, 350 wurden per E-Mail über die Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg verschickt. Der Fokus des Projektes lag dabei auf dem Gewerbe an zentralen Verkehrsknotenpunkten des Stadtteils und deren Nebenstraßen. So wurden vorwiegend Firmen in den Straßen am und um die Bahnhöfe Ostkreuz und Frankfurter Allee sowie Warschauer Straße befragt. Bei den direkt verteilten Fragebögen gab es einen überdurchschnittlich hohen Rücklauf von 16 Prozent, sagte Heike Weingarten. Sie präsentierte am Dienstag die Ergebnisse der »Evaluation zur Erfassung von Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen und themenspezifischer Sensibilisierung unter Gewerbetreibenden und Unternehmen in Friedrichshain im Oktober 2010«.

Die Mehrheit stellt Rassismus und Diskriminierung nicht fest, zieht Heike Weingarten ein Fazit aus den Umfrageergebnissen. »Dennoch wird das Thema sehr ernst genommen, viele befragte Firmen haben Interesse an weiteren Infos bekundet«, so Weingarten. Rund 37 Prozent verneinten die Frage, ob beispielsweise Beratungsangebote gegen Rechts bekannt sind. Dazu komme ein Mangel an Wissen um Handlungsmöglichkeiten, erklärte Weingarten.

Ein Großteil der befragten Unternehmen kann sich jedoch beispielsweise ein Engagement in einem Netzwerk vorstellen. Die Bereitschaft für privates oder gemeinsames Engagement hält sich dabei die Waage. Rund 26 Prozent der UnternehmerInnen könnten sich vorstellen, mit anderen Gewerbetreibenden zusammenzuarbeiten, rund 19 Prozent halten privates Engagement für denkbar.

Grundtenor der Befragung ist jedoch auch, dass die wenigsten Handlungsbedarf sehen, solange sie nicht selbst von rechten Übergriffen betroffen sind. Auch ist oft unklar, wie Alltagsrassismus erkannt und bekämpft werden kann. Das Register will nun gemeinsam mit der Initiative gegen Rechts überlegen, wie man die ansässigen Unternehmen einbinden kann. Neben der Bereitstellung von Informationen zum Beispiel zu Beratungsangeboten überlegen die Organisatoren, Netzwerkstrukturen zu schaffen. Auch gelte es, bereits existierende Projekte wie die »Aktion Noteingang« oder »Saufen gegen Rechts« verstärkt zu bewerben, so Weingarten. »Gemeinsame Aktionen führen zu hoher Sensibilisierung im Alltag«, zeigte sich Weingarten sicher.

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