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Weniger Aufschwung im Osten

Institut warnt vor anhaltender Abwanderung und Fachkräftemangel

  • Von Uwe Kraus, Halle
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Osten Deutschlands hinkt weiter hinter den Alten Bundesländern her. Eine Tagung in Halle suchte am Donnerstag Lösungen für die anhaltende Abwanderung. Doch aus der Industrie gibt es auch gute Nachrichten.

Sachsen-Anhalt und Ostdeutschland erleben weiter einen deutlichen Generationenbruch. Gegenwärtig lebten acht Millionen Bürger im Alter zwischen 20 und 65 in den Neuen Bundesländern, bis 2030 könnten es nur noch 5,59 Millionen sein, so Alexander Kubis vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Damit wären die vorhandenen Arbeitsplätze nicht mehr mit Fachkräften zu besetzen. Lösungen wären eine starke Steigerung der Produktivität, Verlagerungen ins Ausland, die Anwerbung von Fachkräften oder verlängerte Arbeitszeiten.

Reiner Haseloff, Minister für Wirtschaft und Arbeit in Sachsen-Anhalt, verwies am Donnerstag auf der Tagung »Analysen und Politik für Ostdeutschland – aus der Forschung des IWH« darauf, dass der Maschinenbauer IFA Haldensleben derzeit 200 offene Stellen habe. »Bereits jetzt sind deren Headhunter in Polen unterwegs, um geeignetes Personal anzuwerben.« Das bringe jedoch auch neue Integrationsherausforderungen.

Der Fall der Freizügigkeitsgrenzen für Arbeitnehmer zum 1. Mai 2011 habe in Deutschland Aktivitäten ausgelöst, die auch hiesigen Arbeitnehmern nützten, so Haseloff. So hätten große Zeitarbeitsfirmen über Mindestlöhne diskutiert und sei in der Wach- und Sicherheitsbranche ein Stundenlohn von 7,50 Euro im Gespräch. Haseloff sieht bis 2016 allerdings keinen akuten Fachkräftemangel. »Wir haben ein Besetzungs- und Abwanderungsproblem bei Ingenieuren, an dem die Wirtschaft arbeiten muss.« Er hält bei einem durchschnittlichen Vollzeitstundenlohn von 16,56 Euro in Sachsen-Anhalt die Bezahlung nicht mehr als Hauptargument, das Land zu verlassen. Derzeit gehe es besonders um Arbeit für Ehegatten und die Kinderbetreuung.

Kubis stellte fest, dass »über zwei Drittel der Abgewanderten eine Rückkehr nach Ostdeutschland in Betracht ziehen.« Nach den Worten von Ulrich Blum, Präsident des IWH, ist Sachsen-Anhalt »demografisch führend«. Die Lösungen, die hier gesucht und gefunden würden, seien von deutschlandweiter Bedeutung. Er berichtet von Firmen, die seit Jahren bemüht sind, ihre Belegschaft der Bevölkerungsstruktur entsprechend abzubilden, er nennt es, »demografische Optimierung«. Damit werde erreicht, dass, wenn viele Mitarbeiter gleichzeitig in den Ruhestand treten, die Firma nicht plötzlich ohne qualifizierte Mitarbeiter auskommen müsse.

Harsch kritisiert Blum, dass »Maßnahmen wie die Rente mit 67 öffentlich kaputt geredet werden«. Zukünftig würden sich immer mehr Chancen für ältere Arbeitnehmer abzeichnen. Der Wissenschaftler analysiert, dass das deutsche Gesundheitswesen überall an seine Grenzen stoße. »Wenn Menschen über 65 mental und körperlich für die Arbeit fit bleiben sollen, dann darf man bei den Gesundheitskosten nicht immer nur Spardiskussionen anzetteln.« Es könne nicht immer abwechselnd auf Pharmaindustrie, Ärzte und Patienten eingeschlagen werden.

Die IWH-Wissenschaftler registrieren für Sachsen-Anhalt ein Umsatzwachstum in der Industrie von 16,7 Prozent, im Osten seien es 11,5 Prozent, deutschlandweit 13,7. Die neuen Bundesländer liegen nach Ansicht des IWH beim Aufschwung nach der Krise aber noch etwas zurück. IWH-Konjunkturchef Udo Ludwig macht dafür strukturelle Unterschiede in der Wirtschaft zwischen Ost und West verantwortlich: Während die westdeutsche Exportquote bei 45 Prozent liege, sind es im Osten nur 30 Prozent. Er nehme aber an, dass die Aufschwungdynamik spätestens 2012 im Gleichlauf erfolgen werde.

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