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Ein geplatztes Luftschloss

Die Senatsverwaltung will das Lilienthalquartier am Tempelhofer Feld nicht mehr bauen

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Geflogen wird auf dem Tempelhofer Feld nur noch Marke Eigenbau.
Geflogen wird auf dem Tempelhofer Feld nur noch Marke Eigenbau.

Eine Bürgerversammlung ist nicht nur ein Ort für den Austausch mit Politikern, sondern auch einer der Inszenierung. »Je länger der ehemalige Flughafen ein weites Feld ist, desto mehr Nutzer finden daran Gefallen und wollen, dass alles so bleibt, wie es ist«, sprach Jan Stöß am Dienstagabend vom Podium. Applaus war dem Vorsitzenden des Ortsverbandes der SPD in Kreuzberg damit sicher, wenngleich er die Stimmung der Anwohner im Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße nur zum Teil traf. Sie sträuben sich zwar gegen eine Veränderung – aber nicht nur, weil sie den weiten Blick über das Feld lieben. Die Versammelten treibt die Angst, dass ihnen mit einer hochwertigen Parkrandbebauung ihr Kiez genommen wird. Das Spukgespenst in der Stadt heißt nämlich Gentrifizierung – eine Verdrängung der Bewohner aus den Altbauvierteln durch Aufwertung und steigende Mieten.

Joachim Sichter leitet in der Senatsverwaltung die Planung zur Entwicklung des Tempelhofer Feldes. Er brachte die frohe Kunde auf die Versammlung: Seine Behörde hat Abstand davon genommen, das Lilienthalquartier weiter zu entwickeln. Über den Columbiadamm hinaus sollte mit einem hochwertigen Wohnviertel eine bauliche Anbindung an den Südstern in Kreuzberg erfolgen. Die Kleingartenkolonie am Flughafen hätte dafür ebenso weichen müssen wie der Kunstrasenplatz des Sportclubs Berliner Amateure.

Bernd Krömer (CDU), Baustadtrat in Tempelhof-Schöneberg, atmete auf. Er sprach jedoch nur von einem »Teilrückzug«. Denn noch immer sollen am Columbiadamm Tausende Wohneinheiten in einer dichten Bebauung entstehen. »Aus reiner Konzeptlosigkeit«, meint der Baustadtrat. Dafür fehle die Infrastruktur, und zudem wirke sich ein Wohnquartier schlecht auf das Mikroklima aus. Im Sommer ist das Tempelhofer Feld eine Kaltluftquelle für die umliegenden Wohnviertel. Das geplante Columbiaquartier würde diesen nächtlichen Luftaustausch unterbinden. Auch Franz Schulz (Grüne), Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, hat für eine massive Bebauung kein Verständnis: »Die ganze Welt spricht vom Klimawandel, und der Senat setzt einen Gebäuderiegel dorthin.«

Bei den Bezirkspolitikern auf dem Podium herrschte Einigkeit. Jan Stöß verwies zudem auf einen Entschluss der Sozialdemokraten beim Landesparteitag, das nördliche Areal des Feldes den Sportvereinen zur Verfügung zu stellen. Damit sei das Columbiaquartier unter dem rot-roten Senat vom Tisch, stellte er klar. Auch Planungschef Joachim Sichter ruderte zurück: Berlin sei eine langsam wachsende Stadt, und den Ansprüchen der Stadt müsse man mit Bedacht folgen, erklärte er.

Viele Anwohner im Saal blieben jedoch skeptisch. »Ich habe das Gefühl, sie wollen uns hier einlullen«, richtete ein Mann seine Stimme ans Podium. Er zweifelt an den Willensbekundungen. »Das sind doch Flächen, die man gewinnbringend verkaufen kann.« Nur vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im kommenden Jahr sei es unpopulär, dies zu äußern, mutmaßt er.

Bei der Entwicklung des Tempelhofer Feldes arbeitet die Senatsverwaltung eng mit der Adlershof Projekt GmbH zusammen. Deren Vertreter Walter Leibl hielt daran fest, dass eine Entwicklung des Parks nicht nur der Ökologie dienen solle. »Wir arbeiten in der Stadt und wir wohnen auch hier.« Am südlichen Parkrand plädiert er für Gewerbeansiedlungen; darüber hinaus hält er an einer Wohnbebauung fest – auch am ungeliebten Columbiaquartier. Dort kann er sich auch Seniorenwohnungen am Park vorstellen. Eine 300 Hektar große Freifläche zu entwickeln sei schwierig, meint er. Man könne nur ein grobes Raster vorgeben, Lösungen müssten in Verhandlungen erfolgen. Die Bewohner in den umliegenden Kiezen wollen dabei nicht übergangen werden. Das machten sie auf der Versammlung deutlich.

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