Stille Vergebung

40 Jahre Ostverträge – ein Meilenstein in der europäischen Entspannungspolitik / Heute wird in Polen an Brandts Kniefall erinnert. Am Vorabend feierte die SPD die Ostpolitik

  • Von Karlen Vesper
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Anlässlich der Unterzeichnung des sogenannten Warschauer Vertrages hat Willy Brandt am 7. Dezember 1970 mit einer unvergesslichen Geste der Ehrerbietung vor dem Demkmal für die Kämpfer des Warschauer Ghettoaufstandes in der Hauptstadt der Volksrepublik Polen Geschichte geschrieben. Daran wird heute in Polen erinnert; dabei sein werden erstmals der russische Präsident Dmitri Medwedjew und der deutsche Bundespräsident Christian Wulff.

Es wurde still. Ungewöhnlich still – für ein solch hochoffizielles Ereignis wie jenes vor 40 Jahren in der Metropole an der Weichsel. Die Kameras und Mikrofone der Welt waren auf ihn gerichtet, den bundesdeutschen Kanzler vor dem Denkmal für die Opfer des von deutschen Antisemiten errichteten und in Brand gesetzten Warschauer Ghettos. 25 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges.

»Es wird eine schwere Reise«, wusste Willy Brandt vorab. »Wie emotionsgeladen sie wurde, ahnte niemand«, schrieb später sein engster Vertrauter Egon Bahr in seinen Erinnerungen. Der Mann, der als der Architekt der Neuen Ostpolitik gilt, stieß an jenem Tag etwas später hinzu. Der Platz war von Menschenmassen überfüllt, auch von Journalisten und Fotografen. Ein »hartgesottenes Völkchen«, dem es plötzlich die Sprache verschlug. Bahr, sich durch die Menge kämpfend, tippte einen Mann vor ihm an: »Was ist los?« Der antwortete: »Er kniet.«

So erinnerte sich...


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