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Dreckiger Atomstrom

Ein neuer Dokumentarfilm zeigt Probleme des Uranabbaus

  • Von Felix Werdermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dass in Deutschland bis vor 20 Jahren im großen Stil Uran abgebaut wurde, spielt in der heutigen Diskussion über Atomkraft keine Rolle. Inzwischen wurde die Drecksarbeit in andere Teile der Erde ausgelagert: Kanada, Australien oder mehrere Länder Afrikas. Der Dokumentarfilmer Joachim Tschirner hat sich deshalb auf eine weite Reise begeben: von den Sanierungsgebieten der Wismut zu den Uranminen in aller Welt.
Bergarbeiter in Namibias Rössing-Uranmine
Bergarbeiter in Namibias Rössing-Uranmine

Auf dem Kopf einen Helm, vor dem Mund ein Funkgerät. Der dunkelhäutige Arbeiter gibt das Signal: »Drei, zwei, eins – Feuer!« Danach gehen innerhalb weniger Sekunden mehrere Sprengladungen hoch, riesige Mengen Staub werden aufgewirbelt. Es ist aber kein Staub wie jeder andere. Er ist radioaktiv.

Ort der Handlung: die Rössing-Mine in Namibia. Hier wird Uran gewonnen. Doch aus 1000 Kilogramm Gestein werden hier durchschnittlich nur 265 Gramm Uran gewonnen. Die Aufbereitungsrückstände belasten die Umwelt.

Der Geschäftsführer der Rössing-Mine hingegen schwärmt vom Wirtschaftswachstum und den Arbeitsplätzen, die mit dem weltgrößten Urantagebau geschaffen werden. Tatsächlich sind die Angestellten zufrieden mit ihrem gut bezahlten Job. Angst vor gesundheitlichen Folgen haben hier nur wenige. Eine Arbeiterin erzählt, ihr Freund fürchte um sie – wegen der Sprengungen, da könne immer etwas schiefgehen.

Die größere Gefahr aber lauert im Unbekannten: Folgekrankheiten wie Lungenkrebs treten erst Jahre später auf. In Deutschland weiß man inzwischen um dieses Problem. Denn zu Zeiten der DDR wurde in Sachsen und Thüringen ebenfalls der Atombrennstoff gefördert – auch dort waren sich die meist jungen Männer der Gesundheitsrisiken nicht bewusst. Die traurige Bilanz: Über 7000 Todesfälle lassen sich darauf zurückführen, und das ist nur die offizielle Zahl. Bis heute kämpfen ehemalige Minenarbeiter darum, dass ihre Leiden als Berufskrankheit anerkannt werden.

Die Standorte des Bergbauunternehmens Wismut sind längst Sanierungsfälle. Der deutsche Staat hat Milliarden an Steuergeldern dafür ausgegeben, dass der Abraum und die Schlämme möglichst gut von der Umwelt abgeschirmt werden. Gleichzeitig wird für die deutschen Atomkraftwerke Uran aus der ganzen Welt importiert – wie es dort aussieht, dafür interessiert sich kaum jemand. Dokumentarfilmer Joachim Tschirner allerdings schon. Nur bekam er für viele Uranminen gar keine Drehgenehmigung.

Sein Film zeigt nicht nur den Widerspruch zwischen den dramatischen Folgen in Deutschland und der Leichtfertigkeit, mit denen in anderen Ländern weiter Uran abgebaut wird. Auch der Widerstand wird gezeigt, zum Beispiel in Australien: Die Szenen ähneln den Protesten gegen die Castor-Transporte bei uns. Menschen blockieren eine Straße, werden von der Polizei weggetragen. Doch im Hintergrund weht nicht die Fahne mit der roten Anti-Atomkraft-Sonne, sondern eine mit der Aufschrift »Stop Jabiluka«. Diese Mine steht für erfolgreichen Protest, inzwischen ist sie geschlossen.

Das große Verdienst dieses Filmes ist es, ein verdrängtes Thema ans Tageslicht zu zerren. Die Botschaft: Was wir in Deutschland glücklicherweise hinter uns gelassen haben, sollten wir nicht in anderen Ländern fördern, indem wir die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern. Vielleicht sollten Bundestags- und Bundesratspolitiker einmal gemeinsam ins Kino gehen.

Yellow Cake. Die Lüge von der sauberen Energie. 108 Minuten. Ab 16. Dezember im Kino.

www.yellowcake-derfilm.de

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