Olympische Spiele der Superlative

Sotschi 2014: Milliarden und Korruption

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Kosten für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi laufen aus dem Ruder. Schuld sind Fehlplanungen und »Nebensteuern«.

Anatoli Pachomow, der Oberbürgermeister von Sotschi, ächzt schwer unter der Last der Verantwortung. Seit Kurzem ist der russische Kurort am Schwarzen Meer nicht nur Schauplatz der Olympischen Winterspiele 2014, sondern auch eine der Spielstätten der Fußballweltmeisterschaft 2018. Eine Bilanz des bisher Erreichten präsentierte Pachomow jetzt in Moskau. Und die kann sich sehen lassen: Neben Olympischem Park, der aus sechs Sportanlagen besteht, einem Stadion mit 45 000 Plätzen, dem Olympischen Dorf, einem Medienzentrum nebst Unterbringungsmöglichkeiten für Journalisten aus aller Welt, nimmt auch der Euro-Park mit Jachthafen und einem neuen Badestrand bereits Gestalt an. Allein in den Umbau der städtischen Infrastruktur, so Pachomow, würden 800 Milliarden Rubel investiert. Das sind knapp 20 Milliarden Euro. Die Verkehrsprobleme – Sotschi kämpft mit chronischem Stau – würden daher bald der Vergangenheit angehören.

Auch für die Nachnutzung, sagt Bürgermeister Pachomow, gebe es bereits konkrete Vorstellungen. Das Olympische Dorf soll zu Vier- und Fünf-Sterne-Hotels umfunktioniert werden, die »unseren Erholungssuchenden vorbehalten bleiben«. Und aus dem Eissportzentrum soll ein Ausstellungszentrum werden, man habe sich in Sotschi schon lange eines gewünscht! Auch würden durch die Spiele 52 000 neue Arbeitsplätze mit »menschenwürdigen Löhnen« entstehen, hieß es.

Die Kehrseite der Medaille: Die Spiele in Sotschi werden die mit Abstand teuersten der Geschichte. Fast eine Billion Rubel steht derzeit in den Bilanzen. Eine Summe, die selbst bei der Umrechnung den Atem raubt: über 33 Milliarden US-Dollar. Das ist zehnmal mehr, als bei den Spielen in Salt Lake City, Turin oder Vancouver verbuddelt wurden.

Kritiker erklären die Kostenexplosion zum einen mit einer falschen Wahl des Standorts. Wettkampfstätten und das Olympische Dorf werden auf kleinen, bisher kaum erschlossenen Parzellen am Ufer des Schwarzen Meeres mit schwierigem Untergrund gebaut. Oder in den Bergen, wo es bisher so gut wie keine Infrastruktur gibt.

Größter Kostenfaktor aber ist womöglich die Korruption. Ohne Schmiergelder, erregte sich Alexej Skopin von der Moskauer Hochschule für Ökonomie schon im Juni in der Zeitung »Nesawissimaja Gaseta«, kämen die Organisatoren mit neun Milliarden Dollar aus. Der »Rest« sei »eine Art Steuer für Beamte und kriminelle Elemente«, für die – rein statistisch gesehen – jeder Bürger Russlands, vom Säugling bis zum Greis, mit 200 Dollar zur Kasse gebeten wird. Die Kosten für Olympia würden rund ein Sechstel des Staatshaushaltes verschlingen und durch Einsparungen bei öffentlichen Dienstleistungen gegenfinanziert. Auch gegen die Staatsholding Olimpstroi, die den Bau der Wettkampfstätten koordiniert und Bestechungen eigentlich verhüten soll, waren in letzter Zeit mehrfach Korruptionsvorwürfe laut geworden.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung