Werbung

Konjunktur am Scheideweg

Institut für Makroökonomie warnt vor Rezessionsgefahr 2012

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Wirtschaftsinstitute überschlagen sich derzeit mit nach oben berichtigten Prognosen über den Aufschwung. Selbst das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sprach gestern in Berlin vom »Wintermärchen«. Mit Einschränkungen.

Zumindest habe das »Wintermärchen einen wahren Kern«, so Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. Das Institut geht für 2011 von einem deutlichen Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus und erhöhte seine im Oktober gesetzte Prognose um 0,6 Prozentpunkte. Zudem rechnen die Wissenschaftler mit einem Zuwachs der Bruttolöhne von drei Prozent und einem Anstieg des privaten Konsums von 1,5 Prozent. »Die Dynamik wird anhalten« so Horn. Allerdings verliere die Wirtschaft im Laufe des Jahres an Schwung. Im kommenden Sommer stehe die Konjunktur »am Scheideweg«. Grund seien eine Abschwächung der Weltkonjunktur, die Krise im Euroraum und der Sparkurs vieler EU-Länder.

»Deutschland kann sich nicht von der Entwicklung in Europa abkoppeln«, kritisierte Horn die Haltung der Bundesregierung bezüglich gemeinsamer europäischer Instrumente wie beispielsweise die Euro-Bonds. Statt diese Möglichkeit abzulehnen solle die Regierung lieber die Stabilisierung des gesamten Euroraums im Blick haben. »Das ist auch in unserem Interesse, denn Deutschland kann seine Exporte nicht allein an den Märkten in China und Asien absetzen«, so Horn, sondern brauche stabile Märkte in Europa. Das derzeitige »Gespenst der Staatsinsolvenzen« würde sich auch negativ auf die deutsche Wirtschaft auswirken.

Als »Damoklesschwert über dem Euroraum« bezeichnete der Wirtschaftswissenschaftler die bisherigen Sparpakete. Die Auflagen belasteten Länder wie Irland oder Griechenland stark. Sicher brauche Griechenland mittelfristig ein effektiveres Steuersystem, die Frage sei aber, ob die Maßnahmen in dieser Eile notwendig seien. Um »die Finanzmärkte zu beruhigen«, habe man neue Unsicherheiten geschaffen. Zudem gebe es wegen der jetzt folgenden Entlassungen in den Ländern eine Schwächung der Binnenkonjunktur.

Der weitere Ausblick des IMK fällt daher für den Euroraum und für Deutschland skeptisch aus: »Für 2012 können ein Abschwung oder gar eine Rezession nicht mehr ausgeschlossen werden.«

Voll des Lobes war Horn für das Krisenmanagement der Regierung in Deutschland, besonders in der Arbeitsmarktpolitik. Für 2011 erwartet das IMK unter drei Millionen Arbeitslose. Durch Instrumente wie die Kurzarbeit sei der Konsum nicht eingebrochen, zudem hätten die Konjunkturpakete regulierend gewirkt und starke Impulse für die Wirtschaft gegeben. Trotzdem werde die Lohnentwicklung die schwachen Zuwachsraten des vergangenen Jahrzehnts nur langsam hinter sich lassen. Der Lohndruck durch schwach regulierte Leiharbeit, Minijobs und Arbeitsmarktreformen wie Hartz IV wirke fort, zudem würden 2011 nur für wenige Beschäftigte neue Tarifverträge verhandelt.

Horn warnte, die Regierung dürfe »diesen wunderbaren Start nicht verspielen«. Denn das Auslaufen der Konjunkturpakete, die erhöhten Beiträge zur Sozialversicherung und das Sparpaket wirkten sich negativ aus. »Die Aufholjagd der letzten Monate trägt die deutsche Wirtschaft ins neue Jahr, aber danach brauchen wir neue Impulse«, so Horn. Und genau davon sei »derzeit leider nicht viel zu sehen«.


Prognosen

  • Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) rechnet für 2011 mit einem Wachstum von 2,3 Prozent.
  • Eine ähnliche Prognose hatte das ifo Institut in München vor wenigen Tagen abgegeben und mit seiner Prognose den Begriff des »Wintermärchen« geprägt.
  • Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel erhöhte seine letzte Prognose ebenfalls auf 2,3 Prozent. ND

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!