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Der beinah Vergessene

Das Bröhan-Museum würdigt zum 150. Geburtstag den Maler Philipp Franck

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dann bin ich nicht tot, wenn ich auch gestorben sein sollte. So schreibt Philipp Franck, 73jährig, an »Mein liebes Frl. Tippel« und dankt für die freundliche Erinnerung der Malschülerin an ihn. In feiner Frakturschrift fließen ausladend die Buchstaben fast ineinander, stehen die Zeilen akkurat parallel. Der Brief eines Liebenswürdigen. Liebenswürdig ist auch Francks Malerei, nicht süßlich, doch den schönen Seiten des Lebens zugewandt – nicht einfach in bewegter Zeit. Zum 150. Geburtstag des in Frankfurt am Main geborenen Künstlers richtet das Bröhan-Museum die erste große Werkschau eines beinah Vergessenen aus.

Nach einer Architektenausbildung in der Heimatstadt wendet er sich der Malerei zu, ist Schüler eines Historien-, danach eines Landschaftsmalers, kommt in Kontakt mit der Freilichtmalerei der französischen Impressionisten. Früh stellt sich Erfolg ein: Auf einer internationalen Ausstellung in London 1884 gewinnt er eine Bronzemedaille. Barocke Parks faszinieren ihn: Würzburg, Schwetzingen, dann Potsdam und Charlottenburg. In Berlin, ab 1890, legt er des Broterwerbs wegen das Zeichenlehrerexamen an der Königlichen Kunstschule ab, unterrichtet auch dort, wird Revisor für den Zeichenunterricht in Preußens Ostprovinzen, ehe er 1915, schon Professor, zum Direktor der Berliner Kunstschule berufen wird. In Berlin, und von hier ins Umfeld reisend, hat er seine produktivste Phase, lebt seit 1906 bis zum Tod 1944 am Wannsee. Dass er mit den Machthabern der Nazi-Ära nicht ernsthaft in Konflikt geriet, verdankt sich seinen Sujets.

Rund 100 Werke, Ölbilder wie auch Radierungen, sind auf einer ganzen Etage zu besichtigen. Gegliedert ist sie wohl chronologisch von frühen bis letzten Werken, gruppiert die Arbeiten aber nach Themen. Viel ist aus den frühen Jahren nicht erhalten: traditionell gemalte, fast gemütliche Einblicke ins Landleben, vom Herbsttag bis zum barocken Kircheninterieur. Landschaften werden ab 1890 Francks favorisiertes Genre. Rot flammt der Herbst an einem märkischen See auf, still breiten sich Wasser aus; in oft üppiger Farbigkeit huldigt er dem Frühling, ob mit weißem Meer aus Blüten, blumengesäumten Gartenwegen, Phloxbeet. Was ihn umgibt, bildet er ab, nicht ohne malerischen Kommentar und stets mit handwerklicher Delikatesse, in glattem, bisweilen pastosem Farbauftrag, dann mit kurzem Pinselstrich, intensiver Leuchtkraft.

Den bäuerlichen Alltag hält er fest, anders als die Realisten jedoch nicht bei schwerer Arbeit, sondern im Festblick. Frauen in Tracht kehren oder spinnen, Kinder auf der Dorfstraße gehen heim, abgehärmte Bäuerinnen sind auf dem Feld zugange. Meist bleibt die Komposition in sich geschlossen, selten richtet sich ein Blick aufs Draußen, den Betrachter. Blumenstillleben füllen die gesamte Fläche aus: welker Flieder, verschwenderisch bunte Bouquets, zwei Sträuße vor hellem Grund, die vom Mohnblumenrot dominierte Kaffeetafel. Rosengärten, Segelboote unter geballten Wolken, Wannseebrücken, Taunusfelder, alles bleibt konkret, löst nicht den Gegenstand in der Farbe auf.

Mit seinen Gemälden etwa von Potsdam und Stettin wird er zum Chronisten einer später kriegszerstörten Stadtarchitektur. Dicht fallen seine Porträts aus: die repräsentabel Bild gewordene Dame im Sessel, farblich dekorativ der Sohn mit Hund, herb und verarbeitet die Mutter, im letzten Lebensjahr dann auch er im Selbstporträt. Sogar die badenden Jungen, das Spiel von Sonne und Wasser auf ihrer Haut, strahlen nur bedingt Fröhlichkeit aus. Auch die dynamisch prallen Radierungen, darunter die Lovis Corinth gewidmeten »Liebschaften des Zeus«, weisen Philipp Franck, den deutschen Impressionisten und Mitbegründer der Berliner Secession, als Großen aus, den es zu entdecken gilt.

Bis 16.1., Di.-So. 10-18 Uhr, Bröhan-Museum, Schlossstr. 1a, Telefon 32 69 06 22, Infos unter www.broehan-museum.de

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