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Wer einmal aus dem Fettnapf frisst

Dioxin-Skandal: Razzia bei Futterfett-Lieferanten in Schleswig-Holstein

Der Dioxin-Skandal weitet sich aus. Immer mehr Agrarbetriebe in Deutschland sollen betroffen sein. Gestern wurde ein verdächtiger Lieferant von der Polizei durchsucht. Vor allem aus der Union werden Rufe nach scharfen Sanktionen gegen Verursacher laut.
Zeichnung: Andreas Prüstel
Zeichnung: Andreas Prüstel

Itzehoe/Berlin (AFP/ND). Im Skandal um giftiges Dioxin in Tierfutter und Eiern haben Beamte des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein gestern den Betrieb des Futterfett-Lieferanten Harles und Jentzsch in Uetersen durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hatte einen richterlichen Beschluss erwirkt, sagte ein Sprecher. Zu Ergebnissen der Razzia machte er keine Angaben. Gegen die Verantwortlichen des Unternehmens besteht der Anfangsverdacht eines vorsätzlichen Verstoßes gegen futtermittelrechtliche Vorschriften. In einem Zeitungsinterview hatte der Geschäftsführer von Harles und Jentzsch, Siegfried Sievert, einen leichtfertigen Umgang mit Fettsäuren aus der Herstellung von Biodiesel eingeräumt. Im November und Dezember hatte das Unternehmen nach Angaben der Bundesregierung insgesamt etwa 3000 Tonnen von für die Papierherstellung gedachten Mischfettsäuren an 25 Futterhersteller geliefert.

Auch eine verdächtige Spedition im niedersächsischen Bösel wurde durchsucht. Beamte entnahmen laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg bei der Razzia Proben aus dem Tanklager und sicherten sämtliche Korrespondenz und Lieferunterlagen, die die Geschäftsbeziehung mit dem Lieferanten des dioxinbelasteten Futterfetts betreffen.

Von dem Skandal betroffen sind unter anderem 1000 Agrarbetriebe und 14 Futterproduzenten in Niedersachsen, zudem Betriebe in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Thüringen und Brandenburg erwarb jeweils ein Hof potenziell belastetes Futter. In mindestens einem Fall sind potenziell mit Dioxin belastete Eier auch in die Niederlande verkauft worden. Das geht aus einem Bericht des Bundesagrarministeriums an den zuständigen Ausschuss des Bundestages hervor.

Niedersachsen hat nun ebenso wie Nordrhein-Westfalen die Stempelnummern möglicherweise belasteter Eier veröffentlicht. Die Eier aus dem betroffenen Bestand sind mit dem Erzeugercode 2-DE-0355461 versehen.

Derweil werden Rufe nach schärferen Sanktionen gegen Verursacher und mehr Transparenz für die Verbraucher lauter. Die Länder sollten betroffene Betriebe und Händler nennen, forderte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Die Verbraucher müssten erfahren, ob mit Dioxin belastete Eier bei ihrem Lebensmittelhändler verkauft wurden. Das Verbraucherinformationsgesetz ermögliche den Ländern die klare und schnelle Nennung der verantwortlichen Firmen. Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, der thüringische Minister Jürgen Reinholz (CDU), forderte harte und abschreckende Strafen für »Scharlatane der Branche«. Er kündigte ein Sondertreffen mit seinen Fachkollegen noch im Januar an. Für effektivere Kontrollen sprach sich die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Kirsten Tackmann, aus. »Der Dioxinskandal zeigt, dass der Eingang von Schadstoffen in unsere Lebensmittel aktuell nicht sicher verhindert wird. Die Futtermittelgesetzgebung reicht offensichtlich nicht aus«, so Tackmann.

Lebensmittelkontrolleure verzichten indes auf eine Überprüfung von Eiprodukten wie Nudeln oder Backwaren. Bei deren Herstellung sei »die Verdünnung so groß, dass man es vernachlässigen kann«, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller. Sollten die Tester Eier finden, deren Dioxinbelastung die aktuell gemessenen Höchstwerte überschreite, würden die Kontrolleure weitere Lebensmittel überprüfen. Derzeit lägen die höchsten gemessenen Werte beim Vier- bis Sechsfachen des erlaubten Dioxin-Gehalts.

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