Scheinwelten des Erfolgs

Warum mehr Wettbewerb nicht zwangsläufig zu mehr Leistung führt

  • Von Martin Koch
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.
Einstein: Als Leuchtturmwärter arbeiten, um in Ruhe nachdenken zu können.

Der tschechische Wirtschaftswissenschaftler Ota Šik, der nach dem Prager Frühling in die Schweiz emigriert war, erzählte seinen Studenten dort gern folgende Geschichte: In der Sowjetunion fehlte es (wieder) einmal an Schuhen. Denn die Arbeitsproduktivität in der Schuhindustrie war gering, und kaum jemand arbeitete mit viel Eifer, da die Löhne nicht vom Produktionsergebnis abhingen. Um die Arbeiter zu motivieren, riefen »Wirtschaftsexperten« einen Wettbewerb ins Leben, bei dem es für besonders hohen Materialverbrauch Leistungsprämien geben sollte. Dahinter steckte die scheinbar plausible Überlegung, dass jemand, der mehr Schuhe herstellt, auch mehr Material verbraucht. Das Resultat freilich war ein anderes: Statt die Produktion der Schuhe nennenswert zu steigern, fielen diese immer schwerer und klobiger aus. Der Grund: Die zuvor wenig motivierten Arbeiter wurden plötzlich innovativ und entwickelten Schuhmodelle, die sehr material...


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