Werbung

Benachteiligte Mieter?

Leserfrage: Unterschiedlich große Heizkörper

In unserem Wohnblock wurden Öfen gegen eingangsseparate Gasheizungen ausgetauscht. Bei gleicher Bauweise und Größe sind in den Wohnungen jedoch unterschiedlich große Heizkörper eingebaut worden. Da sich die Umrechnungsfaktoren für die Heizkosten nach der Größe der Heizkörper richten, werden meiner Meinung nach einige Mieter benachteiligt, da sie einen höheren Anteil bezahlen müssen, obwohl sie sparsamer waren. Ist diese Ungleichbehandlung in Ordnung?
Thomas H., Bernsdorf

Wenn der Vermieter die alten Öfen durch eine Zentralheizung ersetzen lässt, dann hat er sicherlich eine Fachfirma mit der Projektierung beauftragt. Die Größe der einzelnen Heizkörper richtet sich nach dem Volumen des zu beheizenden Raumes und dessen Lage im Haus (Außenwand, mittige Wohnung, Wärmedämmung durch Wand und Fenster), also nicht alleine nach der Wohnungsgröße.

So sind für bauartgleiche Wohnungen auf Grund bestehender Lagenachteile innerhalb des Wohnhauses (Stirnseite des Hauses, unbeheizter Keller oder ungedämmter Dachbereich) unterschiedliche Heizkörper zwingend, damit der Vermieter die zu garantierenden Mindestraumtemperaturen auch im Winter für jede Mietpartei erreicht.

Nach der Auswertung von Heizdaten eines Wohnblocks hatte sich beispielsweise ergeben, dass Wohnungen an der Stirnseite eines Hauses 23 Prozent mehr Wärme brauchen, um die gleichen Raumtemperaturen zu erreichen wie in den anderen gleich großen Wohnungen. Ist die Wohnung dann noch über dem Keller oder unter dem Dachboden gelegen, könnten sogar mehr als 40 Prozent mehr Wärmeenergie erforderlich werden. Auch wenn eine Nachbarwohnung leer steht, könnte das schon zehn Prozent mehr Wärmeaufwand erforderlich machen als bei einer Innenwohnung des Wohnhauses, deren Nachbarwohnungen voll vermietet sind.

Der Eindruck einiger Mieter, dass sie nach subjektiver Einschätzung trotz sparsamen Umgangs wegen der Umrechnungsfaktoren benachteiligt werden, ist in der Regel (Ausnahme Rohrwärmefall nach DIN 2077, siehe ND-Ratgeber Nr. 975) messtechnisch nicht nachzuweisen.

Zur Funktion der Messgeräte: Je größer die Fläche und je mehr Platten der Heizkörper hat, desto größer ist dessen Heizleistung. Heizkostenverteiler erfassen die Temperatur an einem Punkt des Heizkörpers und nehmen diese Temperatur als Maßstab für den gesamten Heizkörper.

Die Heizkostenverteiler berücksichtigen zunächst nicht die Leistung des Heizkörpers, sondern die Temperatur(differenz) und Zeit. In einem zweiten Schritt werden dann die aus Temperatur(differenz) und Zeit ermittelten Maßeinheiten mit einem Faktor umgerechnet, der die Leistung des Heizkörpers berücksichtigt. Bei elektronischen Heizkostenverteilern wird dieser Faktor entweder vor deren Anbau in das Gerät eingegeben oder der Faktor wird nachträglich berücksichtigt. Im zweiten Fall sieht der Mieter dann in der Abrechnung der Heizkosten einen Umrechnungsfaktor, mit dem die Ablesewerte umgerechnet werden. Dieser Umrechnungsfaktor ist um so größer, je größer der Heizkörper (und damit dessen Leistung) ist.

In der Praxis kann zur ausreichenden Wärmeversorgung gleichgroßer Räume ein etwas größerer oder kleinerer Heizkörper eingesetzt sein. Damit dann die Räume gleich warm werden, muss beim kleineren Heizkörper das Thermostatventil etwas länger und/oder häufiger geöffnet sein als bei einem größeren Heizkörper. Letztendlich ist dann das Produkt aus Heizzeit, Temperatur des Heizkörpers und Heizleistung in beiden Fällen gleich groß. HARTMUT HÖHNE

Funkgesteuerte Ablesegeräte an Heizkörpern

Der Vermieter kann vom Mieter nicht verlangen, den Einbau von funkgesteuerten Heizkostenablesegeräten zu dulden, solange es sich nicht um den Einbau eines moderneren Heizungssystems handelt. Auch die Kosten muss der Mieter nicht übernehmen. Nach Informationen des Dresdner Mietervereins ging es in einem Streitfall vor dem Hamburger Landgericht (Az. 334 S 1/08) darum, noch funktionstüchtige Ablesegeräte, die den gesetzlichen Anforderungen genügten, nur deshalb auszutauschen, damit der Verbrauch zentral erfasst werden kann. Der Richter erklärte, es handle sich weder um eine Instandsetzung noch um eine Modernisierungsumlage, die vom Mieter zu dulden sei. Auch eine größere Ablesegenauigkeit war nicht feststellbar, so das Gericht.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser:innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede:n Interessierte:n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor:in, Redakteur:in, Techniker:in oder Verlagsmitarbeiter:in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung