Larmoyanter Schwerenöter

Das Theater Reissverschluss wiederbelebt Arthur Schnitzlers »Anatol«

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Ganz aufs Wort setzt Joachim Stargard in der Inszenierung für sein Theater Reissverschluss, nutzt als Hauptdekoration auf schwarz ausgeschlagener Szene im Theaterforum Kreuzberg eine Bank. Sitzmöbel ist sie im Café, wird, umgedreht, zum Räkelbett des jungen Herrn. Das Wort liefert Arthur Schnitzler, Wiener Arzt und literarischer Seelensezierer des Fin de siècle. Sein dramatischer Erstling »Anatol« von 1893 ist eine lose Folge aus sieben Episoden, die nach dem Prinzip des »Reigen«, Schnitzlers populärstem Stück, die Seichtheit des Wiener Liebeslebens bloßlegen. Sujets aus beiden Stücken flicht Stargard in den »Short Cuts« seiner 90-Minuten-Produktion für zehn Schauspieler zum Erotikkranz.

Dem Spielmeister aus Portugal legt der Regisseur den Prolog in den Mund: von den zugeknöpften Wiener Männern, den offeneren Frauen. Spricht's, pfeift, tänzelt ab. Und gibt den Weg frei für »Anatols Hochzeitsmorgen«. Womit Schnitzler die Szenenfolge um ...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.