Paris setzte bis zuletzt auf Ben Ali

Unterstützung des Diktators aus Furcht vor Islamismus

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Frankreich hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass sich der Diktator Ben Ali so lange halten konnte. Das kann auch nicht die hektische Kehrtwende vergessen machen, mit der man nun die jüngsten Entwicklungen in Tunesien begrüßt und dem Volk seine Sympathien versichert.

Die offizielle Haltung Frankreichs gegenüber dem Regime in Tunis war schon seit vielen Jahren und bis zuletzt wesentlich konzilianter und verständnisvoller als die anderer Demokratien. Noch am vergangenen Dienstag hat Außenministerin Michèle Alliot-Marie im Parlament erklärt, man biete Tunis »Hilfe bei der Aufrechterhaltung der Ordnung« an. Zu diesem Zeitpunkt hatten selbst die US-Regierung und die Europäische Union bereits Distanz gesucht und den Polizeieinsatz gegen die Demonstranten kritisiert. Mit der dubiosen Begründung, als ehemalige »Mandatsmacht« sei Frankreich schlecht beraten, Lehren zu erteilen, hielt man sich mit Kritik am selbstherrlichen Regime von Präsident Habib Bourguiba und seinem Nachfolger Ben Ali zurück.

Noch 2008 bei seinem jüngsten offiziellen Besuch in Tunis erklärte Präsident Nicolas Sarkozy: »Manche sind sehr streng mit Tunesien, das doch sehr erfolgreich eine Politik der Öffnung und Toleranz verfolgt, und wo d...


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