»Das ist Tagesgeschäft«

Mark Kirchner über Fahrkarten und WM-Ziele

Sein Markenzeichen ist der Dreitagebart. Mark Kirchner (Foto: imago) hat bei den deutschen Biathleten als Bundestrainer die Nachfolge von Frank Ullrich angetreten. Karl-Wilhelm Götte sprach in Ruhpolding mit dem 40-Jährigen aus Scheibe-Alsbach, der als Aktiver dreifacher Olympiasieger gewesen war, über seine neue Aufgabe und die WM.

ND: Wie geht es Ihnen, wenn Alexander Wolf in Führung liegend im Stehendschießen beim Sprint vier Fahrkarten schießt?
Kirchner: Das ist Tagesgeschäft. Ali war, wie vorher besprochen, straff gelaufen und hatte viel investiert. Er wollte wie alle Athleten zuhause den Zuschauern etwas bieten. Umso ärgerlicher ist dann so ein Stehendschießen, da gibt es dann auch bei mir Schwankungen im Gefühlsleben und Drücken in der Magengegend.

Wie geht es Ihnen an vorderster Front bei den Männern?
Nach drei Jahren als Co-Trainer macht es mir viel Spaß, eigene Ideen einzubringen und Entscheidungen zu treffen. Ich scheue mich auch nicht davor, Verantwortung zu übernehmen. Ich bin schon als Athlet meinen Weg gegangen und werde das auch als Trainer tun.

Sie haben eine Arbeitsteilung mit Fritz Fischer?
Ich war die vergangenen Jahre draußen auf der Strecke. Jetzt hat Fritz den Part übernommen. Die Aufteilung ist nicht zwingend, aber jetzt wollen wir das entwickelte System erstmal beibehalten. Das gibt allen Ruhe und Sicherheit, vor allem den Athleten.

Mit Greis, Peiffer, Birnbacher und Böhm haben erst vier Athleten die WM-Norm erfüllt. Macht Sie das nervös?
Nein. Natürlich spüren die Sportler den Druck. Doch die Leistungsdichte ist bei den Männern größer denn je. Da geht es um Sekunden. Da entscheiden Tagesform und auch Glück. Es sind ja auch noch einige Rennen bis zur WM Ende Februar. Falls einer die Norm dann noch nicht hat, werden wir uns mit dem Verband zusammensetzen.

Wie sind die Ziele für die WM?
Wir wollen um die Medaillen mitlaufen, das Potential ist besonders bei Greis und Peiffer sicherlich in jedem Wettkampf vorhanden. Nach Oberhof wäre auch Gold in der Staffel keine Überraschung mehr, ein Sieg ist sicherlich drin.

Sie gelten als zurückhaltend oder sogar als scheu?
Das höre ich häufig. Grundsätzlich bin ich ein Mensch mit großer innerer Ruhe. Ich bin keiner, der mit breitem Grinsen durch die Gegend läuft. Einiges davon ist auch eine aufgesetzte Maske, um mir vieles vom Halse zu halten. Ich kann aber auch temperamentvoll sein. Über meinen trockenen Humor hat sich schon so mancher gewundert.

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