Nach den Gesetzen des Schulhof-Fußballs

Bayern München und der VfL Wolfsburg vertrauen nach dem Remis auf das Prinzip Hoffnung

  • Von Alexander Ludewig, Wolfsburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Not macht erfinderisch. Weil der VfL Wolfsburg nach der Hinrunde den Abstiegsplätzen viel näher war als seinem Saisonziel, einem internationalen Startplatz, wird derzeit jedes noch so kleine Fünkchen Hoffnung gezündet. So strahlte am Sonnabend im Heimspiel gegen Bayern München nach einer Viertelstunde ein 2:0 von der Anzeigetafel. Das Tor hatten die Niedersachsen bis dahin nicht getroffen, aber immerhin zwei Eckbälle gegen den Rekordmeister erzwungen. Wirkung zeigte die Maßnahme nicht. Im Gegenteil: Bei der Ehre gepackt, drehten die Bayern innerhalb von fünf Minuten das Eckenverhältnis zu ihren Gunsten.

Und da die Gesetze des Schulhof-Fußballs scheinbar auch auf dem Bundesliga-Rasen gelten, hieß es: drei Ecken, ein Elfer. Nach dem plumpen Foul von Wolfsburgs Ashkan Dejagah an Danijel Pranjic zeigte Schiedsrichter Manuel Gräfe auf den Punkt. So zweifelsfrei richtig lag der Berliner Unparteiische nicht immer an diesem Tag. Philipp Lahm jedenfalls ließ die gute Möglichkeit ungenutzt und traf nur den Pfosten. Da Grafite in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit einem Strafstoß am Münchner Torwart Thomas Kraft scheiterte, war der VfL immerhin im Auslassen von Großchancen mit den Bayern wieder auf Augenhöhe. Nach 90 Minuten hieß es dann 5:9 nach Ecken und 1:1 nach Toren.

Thomas Müller hatte die Gäste nach sieben Minuten eher unfreiwillig in Führung gebracht, als er von Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio angeschossen wurde. »Ich bin ja für Stolpertore bekannt«, witzelte der Bayer. Humor bewies auch der Schütze des Ausgleichtreffers: »Ich bin der neue Dzeko «, freute sich Sascha Riether über sein Tor (86.). Aber genau jener Edin Dzeko, in der Winterpause für rund 35 Millionen Euro zu Manchester City gewechselt, fehlte dem Wolfsburger Offensivspiel sichtlich. Doch auch aus dem Verkauf ihres Kapitäns und besten sowie mit zehn Treffern bislang torgefährlichsten Spielers versucht der VfL Positives zu ziehen. Für Trainer Steve McClaren war es nach wochenlanger Unruhe gar »die beste Lösung«, Manager Dieter Hoeneß findet, dass sich nun niemand mehr hinter dem großen Namen verstecken könne und das Team näher zusammengerückt sei. Auf dem Spielfeld konnte Wolfsburgs einzige Spitze, Grafite, den Abgewanderten weder als Anspielstation im Sturmzentrum noch als Vollstrecker ersetzen.

Auch der FC Bayern sucht verzweifelt nach Erfolgsmeldungen. »Wir können alles schaffen«, rief Trainer Louis van Gaal in der Winterpause die große Aufholjagd aus. Doch wie schon in der Hinrunde führte die spielerische Überlegenheit der Münchner auch gegen den VfL nicht zum gewünschten Ergebnis. Das Remis wertete Philipp Lahm dennoch als Punktgewinn, denn nach den Niederlagen von Leverkusen und Mainz sei man nun wieder näher dran an Platz zwei. Zu wenig für das bayerische Selbstverständnis.

Auf das Prinzip Hoffnung vertrauen beide Teams. Den Münchnern machen das fehlerfreie Debüt des 22-jährigen Thomas Kraft als neue Nummer eins, das Comeback von Arjen Robben und der engagierte Auftritt von Neuzugang Luiz Gustavo Mut. In Wolfsburg baut man einerseits auf Arne Friedrich, der die Abwehr in seinem ersten Bundesligaspiel für den VfL gut organisierte. »Verstärkungen sind immer willkommen«, erwartet andererseits nicht nur Torschütze Riether noch einen Neuzugang als Dzeko-Ersatz bis Ende Januar.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung