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Miliband sucht linksliberale Wähler

Großbritannien: Labour wieder im Aufwind

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 2 Min.
»Die Kürzungen der Koalitionsregierung im Sozial- und Bildungsbereich sind zu schnell, zu streng und zu ungerecht«, mahnte Oppositionsführer Ed Miliband in London und lud enttäuschte Linksliberale ein, eine neue Heimat bei Labour zu suchen. Doch der Parteivize der Liberalen, Simon Hughes, lehnte umgehend ab. Die Koalition geht weiter ihren rechten Gang.

Die Liberalen haben mit katastrophalen Umfrageergebnissen zu kämpfen, dümpeln nur noch bei sieben Prozent, Tendenz weiter fallend. Zugleich ist der Vorsprung der Labour Party vor David Camerons Konservativen inzwischen erheblich. Diese Erholung nach der Niederlage bei der Parlamentswahl im Mai 2010 wurde vergangene Woche auch bei einer Nachwahl im nordenglischen Oldham East und Saddleworth bestätigt. Obwohl der bisherige Labour-Abgeordnete Phil Woolas von einem Wahlsondergericht wegen rassistischer Verleumdung des liberalen Gegenkandidaten gestrichen worden war, setzte sich Nachfolgerin Debbie Abrahams bei der neuerlichen Abstimmung mühelos durch und bekam im bisher heiß umkämpften Wahlkreis bei Manchester fast so viele Stimmen wie Liberale und Tories zusammen. Nach einigen schwachen Unterhausvorstellungen und Interviewauftritten konnte Miliband wieder frohlocken. Der junge Dynamiker, der New Labours Fehler im Irak-Krieg und der Bankenkrise kritisiert und damit den innerparteilichen Wahlsieg erkämpft hatte, ist wieder obenauf.

Für die Rechtskoalition sieht es schlechter aus. Die Konservativen verloren bei der Nachwahl mehr als die Hälfte ihrer Wähler von 2010 – und das, bevor die Folgen der rabiatesten Kürzungen überhaupt sichtbar werden können. Ein paar gnädige Leihstimmen an den liberalen Partner, ein paar Enthaltungen bei schlechtem Wetter, eine miserable Kampagne – und schon war der Reinfall der Tory-Getreuen perfekt. Trotz aller Wahlhilfe traten die Liberalen jedoch auf der Stelle – und können froh sein, nicht noch weiter zurückgefallen zu sein. »Eine tragische Verstrickung mit den Rechten«, nannte Miliband teilnahmsvoll die Lage der fortschrittlich denkenden Liberalen. Cameron-Stellvertreter Nick Clegg und seine rechten Kabinettskollegen meinte er dabei sicher nicht.

Vorerst ist der Koalition jedoch kein bleibender Schaden entstanden. Dafür aber ihrem Land. Soziale Dienstleistungen werden gestrichen – das britische Äquivalent zum Bafög wird abgeschafft, Studenten kämpfen gegen Berge von Schulden, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst gehen verloren. Allein 2000 Angestellte in Manchester sollen bald zum Arbeitsamt. Autofahrer klagen über hohe Spritpreise, Rentner über teure Lebensmittel. Noch ist die Stimmung nicht explosiv wie in Griechenland oder Tunesien. Gerade Engländer sind hart im Nehmen. Und Premier Cameron und Liberalenchef Clegg hoffen, dass alle Grausamkeiten vom Anfang der Koalition bis zur Wahl 2015 wieder vergessen werden. Doch das könnte sich bald als Pfeifen im dunklen Wald erweisen.

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