Entsetzen über den Weltverband

Eine Regeländerung erhitzt bei der Handball-WM die Gemüter

  • Von Erik Eggers, Kristianstad
  • Lesedauer: 3 Min.

Vor dem gestrigen Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien (n.Red.) hat die Internationale Handball-Förderation (IHF) für große Unruhe gesorgt. Alfred Gislason lacht laut, als er davon hört. Und dann vermutet der Trainer des THW Kiel einen schlechten Witz: »Das stimmt nicht, oder?« Dass der Weltverband klammheimlich eine neue Regel eingeführt hat, wonach schon bei der laufenden 22. WM in Schweden die Schiedsrichter noch während der Partie ausgewechselt werden dürfen, ruft allenthalben zunächst Erheiterung hervor. Und dann Entsetzen. »Wie soll das funktionieren?«, fragt Gislason. »Darf ich als Trainer ein Veto einlegen? Das ist eine gefährliche Regel.« Und eine, die im Sport ihresgleichen sucht.

Die Idee dazu stammt allem Anschein nach von Hassan Moustafa, dem ägyptischen IHF-Präsidenten. Moustafa hattte schon vor der WM für Stirnrunzeln gesorgt, als er eine Verkleinerung der Tore forderte, um so die Treffer im Handball wertvoller zu machen. Das waren Vorschläge. Die neue Bestimmung für die Schiedsrichter ist aber bereits umgesetzt und Teil der seit Sommer 2010 gültigen Regeln, wie Roland Bürgi bestätigt. »Das ist richtig, dass Schiedsrichter sofort ersetzt werden können, wenn ein Fall von Manipulation vorliegt«, so das Mitglied der IHF-Regel- und Schiedsrichterkommission.

Bürgi erklärt das Verfahren: »Zuständig dafür ist das Mitglied der Schiedsrichterkommission am Kampfrichtertisch.« Der Schweizer selbst würde sich in einem solchen Fall aber sicher mit den beiden Delegierten des Verbandes abstimmen. Technisch ist es kein Problem, dies bei einem WM-Turnier umzusetzen: Seit Jahren sitzen hier Ersatzschiedsrichter auf der Tribüne, um im Falle einer Verletzung einzuspringen. Die Umsetzung erscheint indes schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Wer ist sofort in der Lage, die Grenze zwischen einer schlechten Schiedsrichterleistung und einer Manipulation zu erkennen?

Die Reaktionen außerhalb der IHF sind durchweg ablehnend. Dass die Europäische Handball-Föderation (EHF) diese Regeländerung anwendet, hält Jan Tuik für undenkbar. »Die EHF wird das mit Sicherheit nicht übernehmen«, so der Niederländer, der in der EHF-Exekutive sitzt. Auch Peter Rauchfuß, der ranghöchste Schiedsrichterfunktionär im Deutschen Handballbund (DHB), hört das erste Mal von der Regeländerung und kann es nicht glauben. »Das wird in Deutschland garantiert nicht passieren«, sagt er. »Wenn man die Schiedsrichter während des Spiels vom Feld nimmt, dann ist das ja wie standrechtliches Erschießen.«


Ergebnisse der Handball-WM

Gruppe A

Tunesien - Spanien 18:21 (7:9)

Ägypten - Frankreich 19:28 (8:12)

Gruppe C

Australien - Serbien 18:35 (8:16)

Algerien - Kroatien 15:26 (11:11)

Rumänien - Dänemark 30:39 (16:17)

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