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»Printed with Love«

Besonderes Lexikon

  • Von Alexander U. Martens
  • Lesedauer: 2 Min.

Man weiß gar nicht, worüber man zuerst staunen soll. Über die Idee zu diesem Buch? Über die Zahl von sage und schreibe 3512 Mitarbeitern, davon allerdings »nur« 627 aktive? Uber die höchst unterschiedlichen 9704 Stichworte, die in 508 Kapiteln recht ungewöhnlich geordnet sind? Oder nicht zuletzt darüber, dass ein so wahnwitziges, in neunjähriger Arbeit entstandenes Werk überhaupt einen Verlag gefunden hat? Ein Verlag, der mutig genug ist, in einer Zeit, in der wir doch glauben, angesichts von Wikipedia ohne gedruckte Lexika auszukommen, ein 3000-seitiges Nachschlagewerk herauszugeben.

Es ist wohl kaum ein Zufall, dass ein so eigentümliches Buch seine verlegerische Heimat bei Hermann Schmidt in Mainz gefunden hat, der bekannt ist für die gestalterische Liebe und Sorgfalt – das Visuelle eben – seiner Produktion.

Visuelle Kommunikation, so die Designerin Juli Gudehus in ihrem Vorwort, ist wie: »die Luft zum Atmen wahrnehmen. Sie ist überall, aber man bemerkt nicht, wie sie das eigene Leben bestimmt.« Wobei, auch wenn es vor allem um Anschauen geht, dem Leser abverlangt sei, »Bilder und Ansichten im Kopf entstehen zu lassen«.

Wer sich, so vorgewarnt und, im Blick auf die Quellenangaben tunlichst mit einer Lupe in Reichweite, auf das Abenteuer dieses Lexikons einlässt, dem erschließt sich eine Fundgrube voller überraschender und oft auch komischer Andeutungen des Design-Vokabulars, Begriffserklärungen, Kommentare, Zitate und Querverweise – die auf den ersten Blick häufig als geradezu an den Haaren herbeigezogen erscheinen mögen, um sich dann doch als äußerst hintersinnig und geistreich zu erweisen.

Und so bereitet die gleichermaßen anregende wie auch – weil man ständig zum Hin- und Herblättern verleitet wird – durchaus zeitaufwendige Lektüre ein intellektuelles Vergnügen, an dem sich auch Leser erfreuen, die nicht von Hause aus mit Werbung, Typographie oder Design zu tun haben.

Diese 3000 auf feinstem Dünndruckpapier gedruckten Seiten sind auf vergnüglich-verspielte Weise das nützlichste Buch, übervoll von eigentlich ganz unnützem Wissen. Dass es so etwas in der anbrechenden Aera von e-books und digitalen Readern überhaupt noch gibt, das ist wahrlich der pure Luxus. Und man glaubt dem Verlag aufs Wort die Zeile im Impressum dieses Lexikons: »Printed in Germany with Love«.

Juli Gudehus. Das Lexikon der visuellen Kommunikation. Eine Collage. Verlag Hermann Schmidt. 3000 S., Broschur im Schuber, 100 €.

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