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FDP uneins über Quoten

Frauke Jung-Lindemann von den Liberalen Frauen zu Vorgaben für Partei und Wirtschaft

Die Liberalen Frauen Berlin haben sich vorige Woche einstimmig für eine Frauenquote in allen Gremien der FDP ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag liegt dem erweiterten Bundesvorstand vor. Dr. Frauke Jung-Lindemann ist die Vorsitzende der Liberalen Frauen Berlin. Mit ihr sprach Regina Stötzel.
Die Liberalen Frauen Berlin haben sich vorige Woche einstimmig für eine Frauenquote in allen Gremien der FDP ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag liegt dem erweiterten Bundesvorstand vor. Dr. Frauke Jung-Lindemann ist die Vorsitzende der Liberalen Frauen Berlin. Mit ihr sprach Regina Stötzel.

ND: Heute steht ein Antrag der Bundesvereinigung Liberale Frauen für eine Frauenquote in allen Gremien der FDP auf der Tagesordnung des erweiterten Bundesvorstands der Partei. Warum geht es nicht ohne Quote?
Jung-Lindemann: Weil es seit 23 Jahren freiwillige Vorgaben in der Partei gibt und diese leider bis jetzt zu nichts geführt haben.

In dem Antrag ist keine konkrete Prozentzahl genannt. Warum?
Wir möchten erst einmal, dass sich der FDP-Bundesvorstand über eine verbindliche Vorgabe überhaupt Gedanken macht. Wenn in der heutigen Sitzung keine konkreten Beschlüsse gefasst werden – was wir nicht hoffen, aber was durchaus möglich ist –, dann werden wir uns weitere Schritte überlegen müssen und gegebenenfalls auf dem Bundesparteitag im Mai einen Antrag stellen, der mit Zahlen bestückt sein wird.

Die FDP solle sich ein Vorbild an Unternehmen wie der Telekom nehmen, heißt es in dem Antrag. Weshalb sollte sich nicht die Wirtschaft ein Beispiel an den Parteien nehmen, die mit Ausnahme der FDP verbindliche Quoten eingeführt haben?
Seit der Antrag im November eingereicht wurde, ist ziemlich viel passiert. Vor allem über Quoten in der Wirtschaft ist sehr viel debattiert worden. Wir sind inzwischen in unserer internen Diskussion weiter, und uns ist klar geworden, dass wir zwischen Wirtschaft und Partei trennen müssen.

Fraktionsvize Miriam Groß hat die FDP als »letzte Bastion« gegen die gesetzliche Quote in der Wirtschaft bezeichnet. Sind die Reihen auch bei den Liberalen Frauen geschlossen?
Nein, die Reihen sind nicht geschlossen, fürchte ich. Petra Müller, die Vorsitzende der Liberalen Frauen in NRW, hat sich für eine flexible Frauenquote in börsennotierten Unternehmen ausgesprochen. Die Bundestagsabgeordnete Birgit Reinemund ist klipp und klar gegen eine Quote in der Wirtschaft, aber für eine Quote in der Partei. Es gibt widerstreitende Meinungen, eine definitive Entscheidungsfindung muss noch stattfinden.

Das »Machtwort« der Bundeskanzlerin vorige Woche wurde als Unterstützung für den Vorschlag von Kristina Schröder gedeutet, wonach Unternehmen 2013 eine beliebige, aber verbindliche Frauenquote festlegen sollen. Ist das mit der FDP verhandelbar?
Die Bundeskanzlerin hat als Argument für die Ablehnung einer gesetzlichen Quote unter anderem angeführt, dass die FDP dagegen sei. Das klingt so, als hätte die FDP dazu eine einmütige Meinung. Dem ist aber nicht so. Vielleicht hat Frau Merkel nur die ersten und vehementesten Äußerungen wahrgenommen, wie die von Herrn Lindner. Aber es kamen Äußerungen wie die von Frau Bracht-Bendt (MdB) hinterher, die Schröders Vorschlag ein »interessantes Modell« nannte.

Als Argumente für eine gesetzliche Quote werden der Fachkräftemangel und der Erfolg von Unternehmen mit vielen Frauen in Führungspositionen angeführt. Das müsste die FDP doch überzeugen.
Die FDP ist eine Partei mit liberalen Ansichten in allen Lebensbereichen. Ich verstehe durchaus, dass man den privaten Unternehmern keine Vorschriften machen will. Allerdings gibt es in allen Lebensbereichen schon feste Regeln und Quoten, auch die Wirtschaft würde ohne solche Regeln nicht funktionieren. In der FDP gibt es Quoten für die Jungen Liberalen, für die sogenannten Kurfürsten, usw. Die Frage ist, was können wir ohne verbindliche Zielvorgaben für Frauen bewirken.

Stimmen Sie mir zu, dass es sowohl in Parteien wie in Wirtschaftsunternehmen »gläserne Decken« gibt, die Frauen am Aufstieg hindern, und dass sich das von allein nicht ändert?
Viele in der FDP, gerade die Herren, setzen darauf, dass sich das von selbst erledigt, wenn die Jüngeren nachkommen, die anders miteinander umgehen. Es ist auch kein Zufall, dass bei der Einführung der Quote in der CSU gerade die jüngeren Frauen dagegen waren. Das wird bei uns genauso sein. Die Jüngeren wollen noch alles allein schaffen. Wenn sie erst Kinder und Beruf unter einen Hut bringen müssen, werden sie sehen, wie schwierig das ist. Auch die »gläserne Decke« erreicht man erst später. Bis zur Abteilungsleiterin kommt eine Frau problemlos. Aber der Sprung in die Firmenleitung, der ist schwierig. Bis man an den Punkt gelangt, wird man erst einmal 35 oder 40.

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