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Gegen drei Tage Frondienst

Buch über Neuhardenbergs Herrschaftsverhältnisse im 17. und 18. Jahrhundert

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

»Die Geschichte von Quilitz bis zum Jahre 1763 hin ist arm und dunkel«, behauptete der Schriftsteller Theodor Fontane. Der Historiker Heinrich Kaak weiß es besser. Für seine Habilitationsschrift beschäftigte er sich mit dem Ort, der heute Neuhardenberg heißt. Eine leicht überarbeitete und gekürzte Fassung erschien beim Berliner Wissenschafts-Verlag als Buch.

Um »eigenwillige Bauern, ehrgeizige Amtmänner und distanzierte fürstliche Dorfherren« des 17. und 18. Jahrhunderts geht es. Im Zentrum steht ein Streit um Frondienste, der sich von 1723 bis ins Jahr 1728 zog.

Prinz Albrecht Friedrich von Brandenburg-Sonnenburg hatte Alt-Quiliz von seiner Mutter Dorothea, der zweiten Frau des Großen Kurfürsten übernommen. Ihm lag daran, dass mehr Land urbar gemacht wird und seine Einkünfte dadurch steigen. Pächter Christian Busse sollte und wollte dafür sorgen. Doch dafür benötigte er die Bauern und ihre Gespanne. Zwei Tage die Woche leisteten sie bisher Frondienst auf dem Gutsacker und zusätzlich halfen sie gelegentlich bei Bauarbeiten. Doch nun sollten sie regelmäßig für Baufuhren herangezogen werden, damit einen dritten Tag in der Woche beschäftigt sein.

Die Bauern fürchteten, dies wäre nicht das Ende. Wenn sie sich fügen, müssten sie irgendwann sogar vier Tage pro Woche Frondienst leisten, dachten sie. Darum wehrten sich die Bauern lange, verweigerten immer wieder die Arbeit. Doch schließlich setzte sich Pächter Busse durch. Die Rädelsführer des Widerstands, Georg Müller und Martin Glietzing, ließ er kurzerhand von ihren Höfen vertreiben.

Müller kämpfte noch bis 1747 verzweifelt und vergeblich darum, seinen Hof zurück zu bekommen. Er war ein guter Landwirt, der hohe Erträge aus dem Boden holte und mehr Vieh hielt als seine Nachbarn. Doch das nützte ihm nichts. Die Herrschaft wollte den Unruhestifter los sein. Alle Beteuerungen, künftig brav und wie verlangt zu dienen, halfen Müller nichts. Auch Glietzing erhielt seinen Hof nicht zurück. Busse machte als Pächter einen satten Gewinn, stieg später auf zum Kammerdirektor und Geheimen Rat in Glogau und wurde geadelt.

Einen ähnlichen Konflikt gab es 1769 bis 1771 im Nachbarort Quappendorf, der heute zu Neuhardenberg gehört. Hier weigerten sich zwei Mütter, dem Gutsherrn Joachim Bernhard von Prittwitz ihre Kinder Hans Reetz und Maria Miesterfeld als Knecht beziehungsweise Magd zu überlassen. Hans und Maria hätten anderswo eine Stellung mit besserem Lohn annehmen können.

Sie seien Fischer und keine Bauern und deshalb vom Gesindezwangsdienst befreit, argumentierten die von jeher als eigensinnig bekannten Quappendorfer. Außerdem gab es Streit um die Höhe der Abgaben. Durch juristische Schritte erreichten die Quappendorfer Familien einen Kompromiss. Die von ihnen zu leistenden Dienste wurden reduziert.

Heinrich Kaak: »Eigenwillige Bauern, ehrgeizige Amtmänner und distanzierte fürstliche Dorfherren«, Berliner Wissenschafts-Verlag, 455 Seiten (geb.), 59 Euro, ND-Buchbestellservice, Tel.: (030) 29 78 17 77

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