Das Wandern ist des Webers Lust

Ruf nach Karenzzeit für Bundesbank-Chef

Bundesbank-Chef Axel Weber hält sich bezüglich seiner beruflichen Zukunft weiter bedeckt. Der Ruf nach einer Karenzzeit wird laut.

Frankfurt am Main/Berlin (Agenturen/ND). Die Zukunft von Bundesbank-Präsident Axel Weber bleibt unklar. Weber sagte am Donnerstag in Wien lediglich: »Ich habe mit der deutschen Bundeskanzlerin gesprochen, habe ihr zugesagt, dass ich mich dazu absolut nicht äußern werde, bis wir uns in einem neuen Gespräch wieder treffen können.« Der 53-Jährige ergänzte: »Wir werden alle Entscheidungen, die notwendig sind, in enger Abstimmung treffen.«

Am Vortag hatten Berichte über einen Wechsel Webers an die Spitze der Deutschen Bank für Wirbel gesorgt. Hartnäckig halten sich Spekulationen, er könnte Nachfolger von Josef Ackermann werden, der im Mai 2013 ausscheidet.

Politiker warnen indes vor einem direkten Rollenwechsel Webers vom Bankenaufseher zum Chef des größten deutschen Kreditinstituts. Weber müsse zumindest eine Karenzzeit einhalten, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagfraktion, Joachim Pfeiffer, laut »Handelsblatt Online«. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, schlug eine Karenzzeit von möglichst drei Jahren für Weber vor, bevor er in einen sensiblen Job wechseln dürfe. Ein Jahr sei das »absolute Minimum«, sagte Schick.

Im Verhaltenskodex für die Mitglieder des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Weber qua Amt angehört, heißt es dem Bericht zufolge, dass diese während des ersten Jahres nach Beendigung ihrer Pflichten weiterhin »alle Interessenkonflikte, die aus neuen privaten oder beruflichen Tätigkeiten erwachsen können«, vermeiden müssten. Ein schneller Wechsel von der Bundesbank zur Deutschen Bank wäre nach Schicks Ansicht auch deshalb heikel, da die Bundesbank Aufgaben in der Bankenaufsicht und bei der Bankenrettung übernommen habe.

Am Mittwoch hatte es zunächst Hinweise gegeben, der seit April 2004 amtierende Bundesbank-Präsident könnte sofort zurücktreten. Dann dementierte die Notenbank in einer dürren Erklärung Gerüchte über eine bevorstehende Mitteilung zur beruflichen Zukunft Webers. Ein Telefonat von Angela Merkel mit Weber heizte Spekulationen an, die Kanzlerin könnte ihn von einem sofortigen Rücktritt abgehalten haben. Aus Webers Umfeld verlautete, er strebe definitiv keine zweite Amtszeit bei der Bundesbank an. Sein jetziger Vertrag läuft im April 2012 aus.

Neben seinem italienischen Amtskollegen Mario Draghi wurde Weber bisher als heißester Anwärter auf den EZB-Chefsessel gehandelt, der zum 1. November neu zu besetzen ist. Nach den überraschenden Meldungen halten viele Beobachter seine Chancen für vertan. Kommentar Seite 8

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