Aufbruch in den Tod

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.
Vesper, Baader, Ensslin (v.l.): August Diehl, Alexander Fehling, Lena Lauzemis

Der Schatten, den die Väter werfen, ist lang. Der der Mütter übrigens auch, aber darüber redet erstaunlicherweise niemand. Der erfolgreiche Dokumentarfilmer Andres Veiel (»Black Box BRD«, »Der Kick«) nimmt in seinem Spielfilmdebüt »Wer wenn nicht wir« den Vater-Liebe-und-Vater-Hass-Kom-

plex zum Ausgangspunkt. Wir sehen den Vater, der eine Katze erschießt, die ein Vogelnest ausgeräubert hat. Es ist die Katze seines Sohnes, der es Ende der 40er Jahre ohnmächtig miterlebt. Der Vater tröstet ihn hinterher: Wer die Nachtigallen liebe, der müsse die Katzen bekämpfen. Katzen seien die Juden unter den Tieren.

Bernward Vesper ist der Sohn von Will Vesper, einem mit Judenhass aufgerüsteten Heimatschriftsteller, der als NS-Funktionär von jedem verachtet, gehasst und gefürchtet war, der noch die Stimme des Gewissens in sich hörte. Gottfried Benn etwa, der sich 1933 achtzehn Monate lang zum Aushängeschild des NS-Staates machen ließ, wurde kurz darau...


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