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Sondervorführung: "Stuttgart 21 - Denk mal!"

Erst ging es um den Bahnhof, dann um die Demokratie. Und weiter?

  • Von Charlotte Noblet
  • Lesedauer: 3 Min.

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Schwäbisch hörte es sich Freitag Nachmittag im Kinosaal an. Plakate gegen Stuttgart 21 wurden hochgehalten: Es lief die Sondervorführung der Dokumentation "Stuttgart 21 - Denk mal!"
Sondervorführung:

"Warum müssen wir überhaupt schneller Zug fahren? Das Leben vergeht schon viel zu schnell!"
"Ein Kopfbahnhof ist barrierefrei, uns ist es wichtig, aber keiner denkt daran!"
"Sie denken nur noch an Geld und Macht, nicht an Interessen der Bürger!"
"Es geht um Steuergeld, die Bürger dürfen was sagen!"
"Man muss sich nicht für jeden Scheiß als Beamter einstellen lassen"
"Wasserwerfer und Tränengas einsetzen, wenn Jugend- und Schülerstreiks angemeldet sind: Perfider geht es nicht!"
"Demokratur- Autokratie!"
"Die Politiker sprechen heute zu ihren Bürger wie Eltern zu ihren Kindern in den 50er Jahren."

Sondervorführung:

Die Studenten Lisa Sperling und Florian Kläger haben seit Januar 2010 bis Anfang dieses Jahres die Stuttgarter_innen begleitet, ihre Proteste dokumentiert. "Wir hatten kein Konzept, wir wollten es nur festhalten", sagt Lisa Sperling. "Erst nach der Gewalt gegen die Demonstranten am 13.09 haben wir uns entschieden daraus einen Film zu machen", ergänzt Florian Kläger. "Im Dezember haben wir uns mit Lars Pienkoß für den Schnitt in Verbindung gesetzt und heute kann der Film gezeigt werden. Es war knapp, sehr knapp, aber es hat geklappt!" Applaus.

Die Dokumentation wurde als Sondervorführung in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" gezeigt. "Ich freue mich darauf, wenn junge Leute Initiative zeigen, sich so engagieren. Ich finde es unterstützungswert", sagt Linda Söffker, Leiterin der Sektion "Perspektive deutsches Kino". Dem Produzent Peter Rommel ist wichtig, dass möglichst viele Leute den Film schauen können: "Wir hatten keinen Anspruch an filmische Qualität, wir wollten nur diesen demokratischen Vorgang dokumentieren, damit die Bürger viel mehr mitdenken. Wir sind noch dabei, aber bald wird es möglich sein den Film für Veranstaltungen und so weiter auf einer Internet-Plattform hochzuladen." Applaus und nochmal Applaus.

Viel Lob kommt aus dem Publikum. "Die Stuttgarter_innen waren vorbildlich: Sie wollen sich nicht für blöd verkaufen lassen, sondern teilhaben an den politischen Entscheidungen. Es hat in Berlin einen Impuls für den erfolgreichen Volksentscheid über die Offenlegung der Berliner Wasserverträge gegeben", teilt eine Zuschauerin mit. Für ein ATTAC-Mitglied sind es die ersten Schritte in die direkte Demokratie.

Noch eine Frage zum Film: "Warum habt ihr kaum das Pro-Stuttgart 21 gezeigt?" "Unser Film soll nur ein Fragment des Ganzen sein", sagt Lisa Sperling. "Eine Momentaufnahme, die die Tür aufmacht, damit alle reinschauen können." Die Debatte geht weiter - eher um die Frage der Demokratie in Deutschland, der Teilnahme der Bürger_innen an der Politik - als um den Film selbst. Daten von Aktionen und Demonstrationen werden am Mikrofon ausgetauscht.

Und geht's in Stuttgart weiter, wo Anzugträger, Schüler und Senioren immer noch auf die Straßen gehen, wo alte bürgerliche CDU-Wähler auf einmal auf die Grünen stehen?

Eine richtige Schlichtung gab es noch nicht, das umstrittene Bauprojekt "Stuttgart 21" steht nach wie vor im Mittelpunkt der politischen Diskussion. Nun gibt es am 27. März 2011 die Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Wird der Souverän bei dieser Gelegenheit erhört? Schließlich hat er das Wahlrecht.

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