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Gaddafi war Italien lieb und teuer

In Rom fürchtet man Flüchtlingsansturm

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 2 Min.

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Für Italien ist das Geschehen in Libyen von besonderer Bedeutung. Nicht nur dass Italien für seine einstige Kolonie der größte Handelspartner ist, libysches Kapital ist auch in vielen großen Unternehmen auf der Apenninen-Halbinsel vertreten, und dazu kommt, dass Ministerpräsident Silvio Berlusconi enge Beziehungen zu Muammar al-Gaddafi pflegt.

Italien hat sehr viel länger als andere EU-Staaten gebraucht, um zu den Ereignissen in Libyen Stellung zu beziehen. Noch Mitte Februar bezeichnete Außenminister Franco Frattini den dortigen Machthaber als »Modell des positiven Dialogs«. Und noch vor Tagen erklärte Berlusconi, er habe Gaddafi bisher nicht kontaktiert, weil er ihn »nicht stören« wolle. Inzwischen überwiegt aber auch in Rom die Angst davor, was jetzt geschehen könnte.

Über 100 italienische Unternehmen sind in Libyen aktiv, allen voran der Staatskonzern ENI, der 24 Prozent des Erdöls und 12 Prozent des Erdgases aus Libyen importiert, seine Konzessionen gerade um weitere 25 Jahre verlängert hat und mit libyscher Beteiligung arbeitet. Kapital aus dem Wüstenland ist aber auch bei FIAT und der Großbank Unicredit vertreten, abgesehen davon, dass Italien einer der größten Waffenlieferanten für Gaddafis Regime ist. Noch kürzlich erklärte Paolo Scaroni, Geschäftsführer des italienischen Ölkonzerns, dass Gaddafi für ihn »gut und lieb« sei, denn er mache mit ihm ja Geschäfte.

Nun aber haben die Unternehmen begonnen, ihre Angestellten aus Libyen auszufliegen. Zugleich fürchtet man, dass sich demnächst eine weitere Flüchtlingswelle über Italien ergießen könnte: Libyen hatte sich in äußerst umstrittenen zweiseitigen Abkommen bereit erklärt, Flüchtlinge aus Afrika in der Wüste aufzuhalten. Immer wieder sickerten Nachrichten über menschenunwürdige Bedingungen in den Flüchtlingslagern durch, zu denen auch internationale Hilfsorganisationen keinen Zutritt haben. Sollte diese mit italienischer Unterstützung errichtete Barriere wegfallen, dürfte Rom mit einer großen Anzahl von Flüchtlingen aus dem nordafrikanischen Raum konfrontiert werden. Neben Malta ist die Insel Lampedusa der erste Anlaufpunkt im Mittelmeer.

Fast größer noch ist die Befürchtung, Gaddafi könnte in den kommenden Stunden oder Tagen politisches Asyl bei seinem Busenfreund Berlusconi in Italien beantragen. Denn die persönlichen und geschäftlichen Beziehungen zwischen beiden sind sehr eng. Noch vor wenigen Monaten wurde der libysche Machthaber in Rom mit Ehren empfangen, die über die »normale« Aufmerksamkeit für einen Staatsgast weit hinausgingen. Unter anderem wurden ihm etwa 100 italienische »Jungfrauen« vorgeführt, die er von den Vorzügen des Islam überzeugen wollte. Die Bilder Berlusconis, der Gaddafi mit einem Handkuss begrüßte, gehen gerade wieder durch die Welt.

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