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Landkarte des Vergessens

Demenzreport zeigt Herausforderung für Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg

Wie sich Regionen und Kommunen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf die Alterung der Gesellschaft vorbereiten können, untersucht der Demenzreport des Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung. Die privat finanzierte Einrichtung stellte am Dienstag ihre neue Studie in Berlin vor.

Die Bundesbürger werden immer älter, und so wächst auch die Zahl der Demenzerkrankten. Schon heute sind das 1,3 Millionen Menschen, bis 2050 wird sich diese Zahl verdoppeln. Gleichzeitig sinkt aber die Zahl der Menschen, die potenziell für die Unterstützung und Pflege der alten Hilfsbedürftigen zur Verfügung steht. Hinzu kommt, dass bereits jetzt bestimmte Regionen besonders stark betroffen sind – mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung trifft das auch für Österreich und die Schweiz zu.

Der Report zeigt differenziert nach Landkreisen, dass die Alterung in allen drei Staaten überproportional periphere Regionen betrifft. In Deutschlands Osten gehören die »typischen Abwanderungsgebiete« dazu, so Reiner Klingholz vom Berlin-Institut: Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, die Ränder von Brandenburg und Sachsen. Entsprechend hoch ist hier auch die Zahl der von Demenz Betroffenen. Hoyerswerda erreicht schon jetzt mit 2200 Erkrankten pro 100 000 Menschen den Spitzenwert, dichtauf folgen Dessau und Görlitz. Im Westen sind heute am stärksten bestimmte Gebiete entlang der ehemaligen Grenze zur DDR betroffen: im Harz, in Oberfranken, in der Rhön und im Fichtelgebirge.

Handlungsbedarf besteht aber nicht nur seitens der Politik, etwa mit der Pflegereform, oder in einer neu gestalteten Ausbildung und besseren Finanzierung der professionell tätigen Pflegekräfte. Den Tendenzen, die sich heute schon andeuten – weniger Angehörige, die für immer mehr alternde Singles da sein können, Mangel an Fachkräften der Pflegebranche – könnte nur begegnet werden, wenn die Zivilgesellschaft in diese Bresche springt. Aber auch unter den Freiwilligen und Nachbarn finden sich nicht plötzlich die nötigen, allzeit bereiten Pfleger im Ehrenamt. Der Demenzreport nennt Beispiele, wie Kommunen hier Strukturen schaffen können, die der Vielfalt der Bedürfnisse der Älteren gerecht werden können.

Ein gutes Beispiel kommt aus Arnsberg im Sauerland. Hier hatte Bürgermeister Hans-Josef Vogel (CDU) bei seinem Amtsantritt vor 16 Jahren die Mitbürger jenseits der 50 befragt, wie sie sich ihr Leben im Alter vorstellen. Mit etlichen Verbündeten förderte er dann eine Vielfalt von Maßnahmen, die zu einem guten Leben im Alter beitragen können. Noch sind die Voraussetzungen durch Gesetze oder Finanzierungstöpfe nicht immer gegeben. Vogels Fazit: »Die Vielfalt der Bedürfnisse von dementen Menschen lässt sich nicht durch die bekannte staatliche Standardisierung, wie durch die Pflegestufen, befriedigen.« Auch die interessierten Ehrenamtlichen hätten ihre Bedürfnisse, auch sie bräuchten Schulung und Anleitung sowie die Möglichkeit, das Erlebte zu reflektieren. Zuvor müssen sie überhaupt den überlasteten Familien vermittelt werden, ergänzt durch Angebote professioneller Pflege. Dafür seien Mittel und Institutionen nötig, für die Erprobung Förderspielräume und Experimentierklauseln. Ähnlich wie für neue Technologien würden Transferstellen für soziale Innovationen gebraucht, so der Arnsberger Bürgermeister.

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