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Liebe und Krieg

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Kleist gebraucht die Metapher des Krieges, wie das Clausewitz tut, als Zweikampf. »Ich leb, ich breche durch«, heißt es. Dies geht von einem gegenständlichen Bild des Kampfes aus. Ich kann meinen Gegner fassen, kann mit ihm ringen. »Im Taumel wunderbar verwirrter Sinne« überträgt sich solcher Krieg auf Beziehungen, Leidenschaften: Ein immer wiederkehrender Beweis für Liebe liegt darin, dass der Andere aus dem vermeintlichen Giftbecher trinkt ...

»In diesem grimmigen Kriege, bei dem er sich ganz verjüngte«, sagte Kleist, aber er sagt auch: »Geh, meine Sinne reißen.« Von einem Brudermörder heißt es, dass er antwortet: »die Vernichtung meiner Seele verbergend«. »Hätte ich dir«, heißt es an anderer Stelle, »ins Auge sehen können, so hätte ich, auch wenn alles Übrige an dir schwarz gewesen wäre, aus einem vergifteten Becher mit dir trinken wollen.« Krieg und Liebesbeziehungen, die zwei Metaphern des Ernstfalls. Es sind die Fälle, von denen Clausewitz sagt, dass die Irrtümer, die man aus Gutmütigkeit begeht, die schlimmsten sind. Der Gegner fährt in die Lücke meines Irrtums. Es geht um Bewegungen, bei denen weder der Wille des einen noch der des anderen (denn es wird ja einer durch den anderen gebrochen) für das realistische Resultat maßgebend ist. Man müsste auf die Resultante blicken. Jeder Physiker täte das. Die gesamte subjektive Prägung des Menschen aber, nach dem Kanon des 19. Jahrhunderts, blickt auf den eigenen und auf den gegnerischen Willen, nicht auf die Bewegung beider. Man kann auf diese Weise seit mehr als zweihundert Jahren, ja von jeher, weder auf den Krieg noch auf die Liebesfähigkeiten Selbstbewusstsein, Autonomie und menschliche Würde gründen. Kleists Dauerthema. Unser ungelöstes Problem.

(Aus: »Alexander Kluge: Fontane Kleist Deutschland Büchner. Zur Grammatik der Zeit«. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2004)

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