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Szenen einer Ehe

Das Kino Arsenal zeigt Filme des Außenseiter-Regisseurs Monte Hellman

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

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Monte Hellman, Jahrgang 1932, gehört zu den Filmemachern, die aus der legendären Niedrig-Budget-Talentschmiede von US-Produzent Roger Corman hervorgingen, der die Einnahmen eines Films gleich wieder in vier neue steckte. Eine enorme Chance für einen jungen Regisseur, aber auch eine Quelle steten Frusts.

Mal war eine Crew nicht so professionell, wie es dem jeweiligen Film gut getan hätte, dafür aber billig zu haben. Mal schnitt Corman die fertige Filmfassung eigenmächtig um, weil er andere Vorstellungen davon hatte, womit sich Geld machen ließ. Mancher Film musste Jahre später aus Gründen der besseren Fernsehverwertung ausgedehnt werden, weil er nicht auf die passende Länge für einen Fernsehabend kam. Dann drehte Hellman schon mal Passagen nach für einen Film, der seine Kinozeit längst hinter sich hatte. Er stellte Werke anderer Regisseure fertig, weil die vor ihrer Beendigung verstorben waren, sich in Details verloren hatten oder mit der Choreografie einer Kampfszene nicht zurechtkamen. Hellman schnitt, schrieb um, leitete zweite Aufnahmeteams. Weshalb nicht verwundert, dass sich sein »eigenes« Werk, das er auch namentlich zeichnete, auf ein gutes halbes Dutzend Titel beschränkt.

Seinen ersten Film drehte Hellman 1959, nachdem seine (auch schon von Roger Corman finanzierte) Theatertruppe ihre Heimstatt verlor – weil das Theater in ein Kino umgebaut wurde. Hellman begann seine Filmregie-Karriere mit einem fünfundsiebzigminütigen Horrorfilm in bester Autokino-Tradition, über ein paar Gangster auf der Flucht vor Polizei und Unwettern, die sich in der Höhle eines gigantischen Spinnenuntiers wiederfinden. »Beast from Haunted Cave« gehört nicht zu den Titeln der Filmreihe, die das Kino Arsenal dem Kultregisseur in Zusammenarbeit mit der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und dem Österreichischen Filmmuseum widmet, ebenso wenig wie Hellmans lang erwartete Rückkehr auf den Regiestuhl mit dem Drama »Road to Nowhere«, das vor sechs Monaten in Venedig Premiere hatte.

Was das Arsenal zeigt, sind fünf legendäre Titel aus Hellmans »klassischer« Periode in den 60er und 70er Jahren, in denen er Genre-Filme drehte, die den Genre-Konventionen gleichzeitig folgten und sie sehr eigenwillig abwandelten. Filme mit den beiden Darstellern, die emblematisch für Hellmans Werk stehen, Jack Nicholson und Warren Oates. Der Nicholson, mit dem Hellman arbeitete, war noch nicht die sardonisch grinsende Filmlegende, die man heute kennt. Sondern ein pausbäckiger junger Mime, der sich seine eigenen Rollen schrieb, an den Filmen schon mal mitproduzierte und in Hellman einen kongenialen Regisseur fand. Je zwei der gemeinsamen Werke wurden geldsparend in einem Produktionsaufwand und am selben Ort gedreht: das Gangster-Kammerspiel »Flight to Fury« mit dem Kriegsfilm »Back Door to Hell« 1964 in der exotischen Kulisse der Philippinen. Und die Western »Ride in the Whirlwind« mit Nicholson auf der Flucht vor einem Lynchkommando und »The Shooting«, in dem Nicholson Szenen seiner Ehe verarbeitete, 1965 in der Wüste von Utah.

»Two-Lane Blacktop« (Asphaltrennen) nach einem Drehbuch von Rudy Wurlitzer ist Teil der Reihe, Hellmans meistgepriesener Film und eines der Vorzeigewerke der neuen amerikanischen Welle der späten 60er und frühen 70er Jahre. Warren Oates spielt hier den angegrauten Fahrer eines Pontiac GTO, der sich mit den jungen Leuten an Bord eines aufgemotzten Chevrolet-Oldies ein Rennen quer durch die USA um ihren (oder seinen) Wagen liefert. »Cockfighter« (1974) nach einem Buch von Charles Willeford ist noch so ein Film über Spielsucht, Wetten und sonstige männliche Rituale. Der Streifen ist in Großbritannien aus Gründen angewandten Tierschutzes bis heute verboten, weil die Hahnenkämpfe, um die es hier geht, extra für den Film inszeniert wurden. Manche der blutigeren Szenen stammen allerdings nicht aus der Hahnenkampfarena, sondern aus der Filmbibliothek von Roger Corman: weil dem die Kämpfe nicht blutig genug schienen, ließ er sie ein bisschen rot aufmotzen.

1.-10.3., Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, Tel. 26 95 51 00

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