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Eine weltumspannende Frauensache

Vorbereitungen für die erste »Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen« laufen auf Hochtouren

  • Von Gisela Sonnenburg
  • Lesedauer: 4 Min.

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In der venezolanischen Hauptstadt Caracas findet vom 4. bis zum 8. März die erste Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen statt. Teilnehmerinnen aus 50 Ländern werden erwartet. Großes Ziel: die Vernetzung von unten.

Ob Clara Zetkin das geahnt hat? Hundert Jahre nach dem ersten Internationalen Frauentag, den sie maßgeblich mit begründete, ist die Frauenfrage zwar noch immer ungelöst. Aber in Deutschland und 49 anderen Ländern laufen die Vorbereitungen für ein immenses Unterfangen: für die erste »Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen«. Geplant ist sie seit 2006, seit auf einem Frauentreffen die Idee aufkam, eine internationale Vernetzung unter realistischeren Vorzeichen zu organisieren, als sie die Weltfrauenkonferenzen der UNO darstellten. Dieses Mal soll es um die einfache Frau an sich gehen, die Frau von der Basis eben, damit sie sich und ihre politischen Belange auf dem Kongress wieder findet.

Fünf gründlich vorbereitete Delegierte entsendet Deutschland nach Caracas, wo der »Gipfel der Weiblichkeit«, die »worldwomens-conference 2011«, vom 4. bis zum 8. März tagt. Jede der Abgesandten hat ein spezifisches Thema: von den Rechten der Arbeiterinnen und Erwerbslosen bis zur Zukunft der Jugend. Die Situation von Migrantinnen und Flüchtlingen ist dabei, auch die fortschrittlichen Bewegungen und der weltweite Friedensprozess. Ein Extrakapitel bilden die Erfahrungen der Frauen aus den neuen Bundesländern.

Knapp 4000 Teilnehmerinnen werden insgesamt in Caracas erwartet, rund 200 davon aus Deutschland. Ein enger Austausch auch außerhalb der Veranstaltungen ist erwünscht und wohl auch unumgänglich: Der Universitätscampus von Caracas, den die Regierung von Venezuela zur Verfügung stellte, wird mit Zelten und Lagerstätten bestückt sein, es gibt ein Catering, Stände und organisierte Festivitäten.

Es dürfte also spannend werden. Zumal in den international gemischten Workshops, aber auch bei den von jeweils einzelnen Ländern übernommenen Kulturveranstaltungen. Und auf den »Generalversammlungen« am 5., 6. und 7. März. Mit Hilfe von Übersetzerinnen, die nach besten Kräften alle vorhandenen Sprachen abdecken wollen, sowie in den Hauptsprachen Englisch und Spanisch werden die Schwerpunktthemen referiert und diskutiert. Probleme wie Sexismus, Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz, Ausbeutung auch familiärer Art, kurz: Alle Facetten der Frauenunterdrückung sollen behandelt werden.

Eine der Mitinitiatorinnen aus Deutschland ist Zaman Masudi. Die diplomierte Psychologin kommt aus Iran und ist Sprecherin der LINKEN in Hamburg. Ihre Hauptthemen sind der Fortschritt und der Frieden. Sie findet es nicht heikel, sondern gut, dass trotz der Gastfreundschaft, die Venezuelas Staatspräsident Hugo Chávez den Frauen gewährt, seine geschäftlichen Beziehungen zum iranisch-islamistischen Politiker Mahmud Ahmadinedschad kritisiert werden. Diplomatische Heuchelei in Maßen verströmten schließlich schon die vier Weltfrauenkonferenzen, die die UNO in der Vergangenheit ausrichtete. Die Anregung, den jetzigen Kongress in Caracas anzusiedeln, kam übrigens von der Frauengruppe »Ana Soto« aus Venezuela, die sich 2008 in die Planungsphase des vorbereitenden Komitees in Deutschland einschaltete.

Die treibenden Kräfte zum Kongress kamen zunächst nur aus dem linken Spektrum, angesprochen fühlten sich dann aber alle möglichen gesellschaftlichen Bereiche: Viele Gewerkschafterinnen, aber auch Ehrenamtliche aus der Kirchenarbeit nehmen an der Weltfrauenkonferenz teil. Politisch engagierte Frauen aus verschiedenen Parteien sind dabei: von ganz links bis eher konservativ. Familienrechtlich Bewegte werden auf Sportliche treffen, Arbeiterinnen auf Studentinnen. Nur eines ist frau hier sicher nicht: einfach nur privat.

Denn »um die Politisierung des Frauseins an sich geht es durchaus, sonst müsste man so eine Mammutveranstaltung wirklich nicht stemmen«, sagt die Berliner Sprecherin Christiane Fiebing. Sie weist darauf hin, dass von den 4,9 Millionen Teilzeitbeschäftigten in Deutschland 87 Prozent weiblich sind. Viele sind von »working poor« betroffen, also von Armut trotz Jobs. Die Leidtragenden der Wirtschafts- und Finanzkrise sind demnach vor allem: Frauen. »Die Zeit ist reif«, etwas zu tun – so lautet denn auch ein Slogan der Initiatorinnen.

In Deutschland fanden in der heißen Vorbereitungsphase zudem 30 »Stadtfrauenkonferenzen« statt. Die in Berlin organisierte sich an drei Treffen bereits im Februar sowie zu einer am heutigen 1. März (18 Uhr, Nachbarschaftsheim, Urbanstraße 21 in Berlin-Kreuzberg, im Gelben Salon). Die spontane Teilnahme ist möglich – und bietet sich als Vorbereitung für den Caracas-Tripp zu den »Weltfrauen von unten« geradezu an. Am 8. März dann findet in Berlin die Demonstration zum Frauenentag statt: um 16.30 Uhr startet sie am Rosa-Luxemburg-Platz, ab 17.30 beginnt das Fest mit Kundgebung auf dem Alexanderplatz (Weltzeituhr). Kerzen und Topfdeckel dürfen mitgebracht werden, da der hundertste Geburtstag des Frauentags zelebriert wird. Ob gefordert wird, den 8. März in Deutschland zu einem offiziellen Feiertag zu machen – wie er es in 26 Staaten bereits ist – bleibt abzuwarten. Aber eine spektakuläre Live-Schaltung nach Caracas ist vorgesehen: Schließlich handelt es sich um eine weltumspannende Frauenangelegenheit.

Zusätzliche Informationen: www.weltfrauenkonferenz.de

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