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»Karriere mit Zukunft«

Weil sie dringend Nachwuchs braucht, sponsert die Bundeswehr nun auch Jugendsport-Events wie die »Schul-Liga«

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Von Michael Schulze von Glaßer

Die Bundeswehr hat spätestens seit Aussetzung der Wehrpflicht ein Nachwuchsproblem. Um dies zu beheben, wirbt die Armee daher verstärkt bei Jugendsport-Veranstaltungen um junge Leute. So sponsert sie auch die sogenannte »Schul-Liga«.

Die »Schul-Liga« – eine Fußball-Liga für Schülerinnen und Schüler – ist so ein beliebtes Sport-Event und die Bundeswehr ist seit dieser Saison »Premiumpartner«. In 40 Städten treten die Mannschaften der Liga gegeneinander an. Die besten Mannschaften aus den Stadtturnieren qualifizieren sich für das Finale im Mai 2011 in Wolfsburg. Die Bundeswehr ist als Werbepartner sowohl bei den Turnieren vor Ort als auch in den Medien der Schul-Liga präsent.

»Im Sport und bei der Arbeit gilt: Teamwork führt zum Erfolg«, wird die Fußball-Nationalspielerin Fatmire Bajramaj in einer Webanzeige der Bundeswehr auf der Schul-Liga-Website zitiert. Die junge Fußballerin ist Sportsoldatin – ihr Arbeitgeber ist die Bundeswehr, die nun mit dem Gesicht der populären Fußballerin neue Rekruten sucht. Auch die Tore des Monats werden von der Bundeswehr vorgestellt – vor dem Video, das sofort nach Aufrufen von www.schul-liga.de automatisch startet – läuft ein Werbespot für eine »Karriere mit Zukunft« als Soldat.

Mittlerweile gibt es sogar ein eigenes Magazin der Schul-Liga. Auch in dem Heft mit dem Titel »Fußball erleben« ist die Armee gut vertreten: Gleich auf Seite zwei wird wieder mit dem Gesicht Bajramajs für den Dienst an der Waffe geworben. »Wir bieten zahlreiche attraktive Ausbildungs- und Berufsangebote für alle Schulabschlüsse«, heißt es in der Anzeige. Darunter die Nummer einer »Karriere-Hotline« der Armee. Die Bundeswehr wirbt aber auch im redaktionellen Teil des Magazins: unter dem Titel: »Gute Chancen beim Arbeitgeber Bundeswehr« ist ein Interview mit einem Wehrdienstberater über die Berufsmöglichkeiten beim Militär abgedruckt. Die jungen Leser können darin erfahren wie lange eine Wehrdienstberatung dauert, dass sie auch ihre Eltern zur Beratung mitnehmen können und dass es bei der Bundeswehr viele Berufsmöglichkeiten gibt. Sogar das Thema »Auslandseinsätze« wird in einer Frage angesprochen. Über die Gefährlichkeit der Einsätze wird dennoch kein Wort verloren.

Die KD Sportnetz GmbH & Co. KG, das Unternehmen hinter der kommerziell betriebenen Schul-Liga, wollte zur Kooperation mit der Bundeswehr keine Stellung nehmen und auch die Armee hält sich bedeckt. Es handele sich um eine Vertragsangelegenheit zwischen der Bundeswehr und der Sportnetz GmbH über die beide Parteien Stillschweigen vereinbart hätten, so ein Bundeswehr-Sprecher. Nur so viel: Die Bundeswehr hoffe durch die Fußball-Turniere das Interesse junger Menschen für den Dienst in der Armee zu wecken, erklärte der Sprecher.

Dass die Bundeswehr für die Werbung bei der Schul-Liga zahlt ist offensichtlich, unklar ist jedoch wie viel. Die U21-Kategorie der Schul-Liga trägt sogar offiziell den Titel »U21 Bundeswehr Schul-Liga«. Das Logo der Fußball-Liga ziert neben einem schematisch dargestellten Fußballer das Emblem der Bundeswehr und der Werbespruch »Karriere mit Zukunft«. Dabei stellt sich sogar die Frage, ob die U21-Liga nicht sogar vollständig von der Bundeswehr finanziert wird und die Sportnetz GmbH die Liga quasi nur für die Armee betreibt.

Wehrdienstberater der Bundeswehr sind bei jedem Spiel der »U21 Bundeswehr Schul-Liga« anwesend. Am 4. Februar 2011 war etwa Oberleutnant Jens Hoffmann in der Sachsenwerk Arena in Dresden, um neuen Nachwuchs für die Bundeswehr zu finden: »Viele haben die Gelegenheit genutzt, Fragen zu Karrieremöglichkeiten und auch allgemein zur Bundeswehr zu stellen«, so der Wehrdienstberater auf Nachfrage. Wie bei jedem Stadtturnier verloste die Bundeswehr zunächst einen Trikotsatz unter den teilnehmenden Teams.

In Dresden gewann das Team der Adoplh-Kolping Schule einen Satz der blauen Trikots mit der Aufschrift »Bundeswehr – Karriere mit Zukunft« und dem Eisernen Kreuz drauf. Neben den Trikots und Bundeswehr-Fußbällen warb das Militär in der Fußball-Halle mit einer großen Werbetafel: »Entschieden gut. Gut entschieden. Sichern Sie sich einen von 20 000 Arbeitsplätzen.«

Die kaum kaschierte Werbeshow fürs Militär, stößt aber auch auf Kritik. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, fordert ein Ende der Armee-Werbung: »Die militärische Indoktrination von Kindern und Jugendlichen missachtet nicht zuletzt die Kinderrechte und muss sofort beendet werden«. Jellpke will demnächst im Bundestag eine Anfrage zum Ausmaß der Armeebeteiligung an der Schul-Liga stellen.

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