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Kompetenz der Krieger

Bjørn Melhus präsentiert die Ausstellung »Live Action Hero« im Haus am Waldsee

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Szene aus dem Video »I do not belong in this House«, 2011
Szene aus dem Video »I do not belong in this House«, 2011

Ein Mann reitet durch die Landschaft. Er ist vermummt und trägt einen mit Stoff bezogenen Stahlhelm. Er führt modernste Feuerwaffen mit sich. Mit ihnen könnte er nicht nur einzelne Tiere oder Menschen erledigen, sondern komplette Flugzeuge vom Himmel herunterholen. Dass er dies vorhaben könnte, suggeriert sein oft den Horizont absuchender Blick. Der Einzelgänger im Film »Hecho en Mexico«, der den Besucher der Bjørn-Melhus-Ausstellung im Haus am Waldsee empfängt, besitzt die Feuerkraft früherer Armeen. Wie die schnellen Schnitte im Film »Hecho en Mexico« suggerieren, kommt die aus alten und ganz aktuellen Vorstellungen vom Krieg komponierte Figur seinem Ziel immer näher.

Der Angriff des Mannes aus der Pampa geht jedoch ins Leere. Man weiß nicht warum, man kann den Fehler nicht eruieren. Aber man spürt deutlich, dass das aufgebotene Mensch-Waffen-System jetzt weiter sinn- und ziellos durch die Gegend streifen wird, dabei jedoch dank seiner sparsamen und professionellen Bewegungen den Eindruck größter Kompetenz machen wird.

Der in Stuttgart geborene Norweger Bjørn Melhus lehrt in diesem nur vier Minuten währenden Videoloop gleich mehrere Dinge über das Verhältnis von Bildern und Krieg. Er benutzt visuelle und narrative Klischees und entlarvt sie zugleich. Möglicherweise wird dieser hoch ausgerüstete Mann eine Ewigkeit lang durch die Gegend streifen. Er wird damit ein Beispiel sein für jene zahlreichen Männer, die mit klar definierten Zielen und normgerechter Ausstattung einst aufgebrochen sind, die aber erleben müssen, wie diese Ziele zerbröseln und sie sich einzig festhalten können an der ewigen Routine, die ihnen das Laden und Putzen ihrer Waffen gewährt.

Im unteren Geschoss des Hauses am Waldsee setzt Melhus seine Befragung von Krieg fort. Klug kuratiert treten die unterschiedlichen Arbeiten dabei in einen Dialog. Die flackernden TV-Monitore der Installation »Emotion Field« verleihen »Hecho en Mexico« eine Schlachtfeldbeleuchtung. Der Film »I am not the enemy« schildert nicht nur das fragmentierte Leben eines Kriegsheimkehrers und ist damit gewissermaßen die Fortsetzung von »Hecho en Mexico«. Einige der sparsam fallenden Sätze über das Heim und deren Bewohner sowie das Verhältnis des Subjekts zu den Dingen und den Menschen tauchen auch in den an benachbarte Wände geworfenen Arbeiten »This is my home« und »I do not belong in this house« auf. Während die Bilder getrennt voneinander bleiben, verweben sich die Worte ineinander. Sie stellen damit einen Sinnzusammenhang her zwischen dem kühl präsentierten Haus (»This is my home«), dem ebenso kühl präsentierten Blick auf einen Kriegsheimkehrer und einem aus der Gemeinschaft ausgestoßenen, halb animalischen Subjekt mit Federkleid (»I do not belong in this house«).

Im oberen Geschoss wird deutlich, dass Melhus' Themenpalette weitaus mehr umfasst als Krieg. Ganz frühe Arbeiten, etwa das berührend schöne »Zauberglas« (1991) sind noch durch die Erkundung der poetischen Möglichkeiten der technischen Medien gekennzeichnet. Der Monitor, auf dem die eine Gestalt der anderen erscheint, hat die Anmutung der Kristallkugel eines Magiers. Personen können die Sphäre dieser Kugel verlassen und wieder in sie hineintauchen. Ihre Dialoge entnimmt Melhus Filmklassikern und dehnt das Videoformat damit aus.

Für die sorgsame Kuratierung (Katja Blomberg und Melhus) spricht, dass sich einige Objekte aus den Filmen wie absichtslos hingestellt in den angrenzenden Räumen wiederfinden. »Live Action Hero« ist eine beeindruckende Übersichtsschau über die Arbeiten eines der wichtigsten zeitgenössischen Videokünstler.

Bis 10.4., Haus am Waldsee

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