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Eine kleine Straße für eine große Hilde

In einem Hörspaziergang wird an die Antifaschistin Hildegard Jadamowitz erinnert

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Ein Berlin-Tourist würde die parallel zur prächtigen Karl-Marx-Allee verlaufende Hildegard-Jadamowitz-Straße wohl nur entdecken, wenn er sich zwischen der Straße der Pariser Kommune und Warschauer Straße versehentlich verläuft oder prüfen will, ob die »Wohnpaläste« der einstigen »Stalinallee« Balkone besitzen. Doch selbst in diesem Fall würde zufälligen Besuchern der Straße nicht auffallen, dass sie eine von den Nazis ermordete Antifaschistin ehrt. In einem »Hörspiel zum Mitlaufen« wird die Geschichte der Widerstandskämpferin erzählt.

Hildegard Jadamowitz wurde 1916 in Neukölln geboren und wuchs dort bei ihrer jüdischen Großmutter auf. Sie besuchte die deutschlandweit bekannt gewordene Rütli-Schule in Nord-Neukölln bis zu ihrem 16. Lebensjahr. Nachdem ihre Großmutter verstarb, begann Jadamowitz als ungelernte Arbeiterin in ihrem Heimatbezirk zu arbeiten. In Abendkursen bildete sie sich zur Röntgenassistentin weiter. Als Arzthelferin versorgte Jadamowitz von den Nazis politisch Verfolgte mit Medikamenten und war ab 1935 in der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) organisiert. Dabei lernte sie unter anderem ihren späteren Verlobten Werner Steinbrink kennen.

Ihr politisches Engagement wurde der jungen Frau 1942 zum Verhängnis. Mit der Widerstandsgruppe Herbert Baum verübte Jadamowitz einen Brandanschlag auf die nationalsozialistische Propagandaausstellung »Das Sowjet-Paradies« im Berliner Lustgarten. Doch die Brandsätze funktionierten schlecht und führten nur zu einem Schwelbrand. Dennoch erinnert noch heute ein Gedenkstein an die Tat der Antifaschisten.

Vier Tage nach dem Anschlag wurde Jadamowitz von der Gestapo verhaftet und wenig später vom Volksgerichtshof zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Jadamowitz und ihr Verlobter wurden mit weiteren Mitgliedern der Widerstandgruppe Baum am 18. August 1942 im Strafgefängnis Plötzensee hingerichtet.

Am 12. Februar wäre Hildegard Jadamowitz 95 Jahre alt geworden. Doch wie bei so vielen Opfern des Nazi-Regimes ist auch ihr Schicksal in Vergessenheit geraten. Seit 2008 ist der nur 26 Jahre alt gewordenen Berlinerin aber eine »Hörstation« in der Audiotour durch Friedrichshain der Firma »stadt im ohr« gewidmet. Dort werden nicht nur biografische Daten über Jadamowitz wiedergegeben. Die Berlinerin Claudia, die den zugereisten Georg auf seiner Tour in dem Hörspiel begleitet, kommentiert die kleine, versteckte Hildegard-Jadamowitz-Straße mit den Worten: »Das ist wieder mal typisch Berlin.« Nur wenige Straßen seien in der Hauptstadt überhaupt nach Frauen benannt. Und dann seien es immer nur Sackgassen, Fußgängerwege oder hinter großen Alleen versteckte Straßen. »Sie hätte och een Boulevard verdient«, meint Claudia. Tatsächlich wurde die Hildegard-Jadamowitz-Straße nach Angaben des Bezirksmuseums Friedrichshain-Kreuzberg erst am 20. Dezember 1957 eingeweiht und damit nach der damals noch Stalinallee genannten Prachtstraße.

In erster Linie geht es den Machern von »stadt im ohr« mit ihrem Hörspiel um Unterhaltung. »Wir sind einfach neugierig auf Geschichten und Personen dieser Stadt«, erklärt Tobias Kley. Er selbst stammt aus Thüringen und entdeckt immer wieder neue Orte und Geschichten in seiner Wahlheimat Berlin. Dabei begeistern nicht alle Funde. »Wir versuchen auch, Orte kritisch zu hinterfragen,« erklärt Kley etwa die Kritik an der versteckten Lage der Hildegard-Jadamowitz-Straße. Nur mit aufwendiger Recherche war es möglich, die Geschichte der jungen Frau zu erfahren. Das fällt nicht nur Touristen auf. »Die meisten Nutzer von ›stadt im ohr‹ wohnen in Berlin«, sagt Kley selbst ein wenig erstaunt.

Der Audioguide für den Spaziergang durch Friedrichshain kann ganz in der Nähe der Hildegard-Jadamowitz-Straße ausgeliehen werden. Das Café Sybille in der Karl-Marx-Allee 72 bildet den Ausgangspunkt für die 2,5-stündige Hörspieltour. Das Hörspiel kostet neun Euro und führt über Frankfurter Tor und Boxhagener Platz zur Wühlischstraße.

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