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Fluchtpunkt Lampedusa

Italienische Mittelmeerinsel wird mit neuem Ansturm von Booten aus Nordafrika konfrontiert

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auf Lampedusa herrscht – mal wieder – der Notstand. In den vergangenen Tagen sind fast 2000 Flüchtlinge auf der Insel eingetroffen. Die Behörden rechneten mit weiteren Überfahrten, auch aus dem von blutigen Unruhen erschütterten Libyen.

Die italienische Regierung spricht von einem »biblischen Exodus« aus Nordafrika und scheint absolut nicht in der Lage, der Situation gerecht zu werden. Opfer sind die Flüchtlinge und die 6000 Einwohner der kleinen Insel mitten im Mittelmeer.

Lampedusa ist gerade mal 20 Kilometer lang und sechs Kilometer breit und hat nur einen einzigen Ort. Dazu kommen eine Militärbasis und ein Auffanglager für Flüchtlinge. Das ist jetzt allerdings hoffnungslos überfüllt. Es wurde für 800 Menschen errichtet und platzt aus allen Nähten, wenn an einem Tag 1000 oder mehr Personen eintreffen. Zuerst hatte man noch versucht, die Tunesier, die die 60 Meilen von Sfax mit kleinen Fischerbooten zurücklegen, hinter dem Stacheldrahtzaun einzusperren; aber dann wurde klar, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist und nur zu gefährlichen Spannungen führt. Jetzt können sich die Flüchtlinge – fast alles junge Männer – frei auf der Insel bewegen und sitzen in den Cafés und überall dort, wo sie sich wärmen können. Die Überfahrt steckt in den Knochen.

Die Inselbewohner sind überfordert und der Bürgermeister Dino De Rubeis ist schier verzweifelt: »Wir haben immer alles Menschenmögliche getan. Wir haben Gastfreundschaft gewährt, die Nächte mit heißen Getränken am Hafen verbracht und Zigaretten verschenkt. Aber Lampedusa schafft es allein einfach nicht und die Menschen hier werden langsam sauer. Irgendjemand muss uns helfen. Egal wer und egal wie – aber es muss etwas geschehen.«

Die Lampedusaner haben Angst, verschanzen sich in ihren Häusern und lassen vor allem die jungen Mädchen nicht mehr allein auf die Straße. Diese Angst ist irrational, da abgesehen von einem Einbruch in einem entlegenen und leer stehenden Ferienhaus nichts passiert ist, aber sie ist trotzdem da und wird von den italienischen Behörden auch noch geschürt. Es kursieren Gerüchte, die von 100 000 oder gar 300 000 Ankünften in den nächsten Wochen sprechen.

Italien wird indes noch nicht einmal mit einigen Tausend Flüchtlingen fertig. In den letzten zwei Monaten sind etwa 6000 Menschen an den italienischen Küsten gelandet, während es 2010 insgesamt 4400 waren. Überfüllt ist nicht nur das Lager in Lampedusa sondern auch alle ähnlichen Einrichtungen, die es vor allem im Süden des Landes gibt. Innerhalb dieser Auffangstellen ist die Lage verheerend. Schon mehrmals haben humanitäre Organisationen und sogar die Menschenrechtskommission des Europarates angemahnt, dass die Situation dort nicht menschenwürdig ist und nicht den festgelegten europäischen Standards entspricht. Das betrifft nicht nur die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge, die wieder ausgewiesen werden, sondern auch Menschen, die Anrecht auf politisches Asyl haben.

Jetzt will die italienische Regierung in stillgelegten Militärbasen auf Sizilien neue Lager einrichten. Bisher aber wehrt sich die Regionalregierung dagegen. Man fühlt sich als »menschlicher Müllplatz« von Italien – wie es der Ministerpräsident der Insel Raffaele Lombardo ausdrückte. Außerdem – so sagte er – bestände die Gefahr, dass »mit den Flüchtlingen auch Terroristen kommen«. Das Tauziehen geht weiter auf Kosten der Flüchtlinge und der Einwohner von Lampedusa, die eine schnelle Lösung fordern, damit Ostern die Touristensaison wie gewohnt beginnen kann.

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