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Die drei Leben des Michel

Hamburgs Wahrzeichen, die St. Michaelis Kirche, wird 350 Jahre alt. Am Sonntag wird gefeiert

  • Von Hendrik Holdmann, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Das Hamburger Wahrzeichen, der »Michel«, geht auf das Jahr 1661 zurück. Nun begehen die Hamburger das 350-jährige Jubiläum der St. Michaelis Kirche, die fast schon einmal zum Pferdestall geworden wäre.

Zwei Brände, Luftangriffe, Trauerfeiern und Motorradgottesdienste – der »Michel« hat viel mitgemacht. Die erstmals am 14. März 1661 eingeweihte Hamburger Barockkirche feiert nun ihren 350. Geburtstag. In der St. Michaelis Kirche wurden neben Gottesdiensten und Konzerten auch Trauerfeiern für berühmte Hamburger Persönlichkeiten wie Loki Schmidt, Heidi Kabel oder Max Schmeling veranstaltet. Der symbolträchtige Turm, der die größte Turmuhr der Welt mit einem Durchmesser von etwa acht Metern trägt, galt über Jahrhunderte als wichtiger Orientierungspunkt für Seefahrer und lockt noch heute Touristen aus aller Welt an.

»Der ›Michel‹ ist das kulturelle Highlight der Nordelbischen Kirche und ist ein Identifikationssymbol für alle – nicht nur für Christen«, sagt der Pressesprecher der Nordelbischen Kirche, Mathias Benckert. Dass ausgerechnet dieses Gotteshaus unter französischer Besatzung als Pferdestall herhalten sollte – und warum es dann doch nicht dazu kam – wissen nur wenige Hamburger.

Zunächst ohne Turm

Der »Große Michel« musste im Laufe seiner Geschichte viele Katastrophen überstehen, denn gleich dreimal wurde er zerstört. Die Geschichte des »Michels«, der seinen Namen vom Erzengel Michael hat, beginnt um das Jahr 1600. Die Pest wütet in der Hansestadt und fordert mehr und mehr Menschenleben. Außerhalb der damaligen Stadtmauern wird deshalb ein neuer Friedhof errichtet. Der Pestfriedhof, der in der heutigen Neustadt liegt, erhält bald darauf eine Kapelle mit dem Namen St. Michael. Das heute als St. Ansgar Kirche bekannte Gotteshaus erweist sich allerdings schnell als zu klein. Und so beschließt man 1647 unter der Bauleitung von Christoph Corbinus den Bau einer größeren Kirche – des »Großen Michel«. Am 14. März 1661 wird der noch turmlose »Michel« eingeweiht.

Erst acht Jahre später ist der Turm fertiggestellt. Ein Blitzeinschlag im März des Jahres 1750 sorgt dafür, dass die Kirche zum ersten Mal bis auf ihre Grundmauern niederbrennt. Der nur 200 Meter entfernte »Kleine Michel« muss daraufhin als Ersatzkirche herhalten. Bereits ein Jahr später wird der Grundstein für den Wiederaufbau der abgebrannten Kirche gelegt. Johann Leonhard Prey und Ernst Georg Sonin erhalten den Auftrag. Der Bau des damals noch hölzernen Turms erfolgt ohne Gerüst, er kann schließlich erst 1786 – 24 Jahre später – eingeweiht werden.

Als Hamburg an das französische Kaiserreich angegliedert wird, bleibt der »Michel« im Gegensatz zu anderen Hamburger Kirchen von der Nutzung als Pferdestall verschont. Zwölf Gemeindemitglieder stellen die 300 geforderten Pferdeplätze zur Verfügung und verhindern damit diese Nutzung des Gotteshauses. Im »Kleinen Michel« feiern die Franzosen katholische Messen.

1952 wieder geweiht

Bereits im Jahr 1906 zerstört ein Feuer nochmals den »Großen Michel«. Bei Arbeiten am Kupferdach des Turmes kommt es zu einem verheerenden Brand. Das Feuer zerstört nicht nur den Turm und die Kirche komplett, in den Flammen kommt auch ein Turmwächter ums Leben. Man will die St. Michaelis Kirche zurück und beschließt einen Tag später den Wiederaufbau in alter Form.

Vierzig Jahre später folgt die nächste Katastrophe, denn kurz vor Kriegsende zerstören Bomben den bis dahin überwiegend verschont gebliebenen »Michel«. Zum dritten Mal wird die Kirche nach der Behebung der Kriegsschäden am 19. Oktober 1952 wieder eingeweiht.

Mehrere Jahre Sanierung liegen gerade hinter dem Gebäude. Der Beton im zweithöchsten Turm Hamburgs hatte sich über Jahre hinweg mit Wasser vollgesogen und damit den Stahl in der Turmkonstruktion zum Rosten gebracht. Die rund 13 Millionen Euro dafür wurden zu einem großen Teil aus Spenden aufgebracht.

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