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Landei wird Stadtbiene

Das Erfolgsmusical »Grease« gastiert im Admiralspalast

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sieben Tony-Nominierungen erhielt die Geschichte von Sandy und Danny, so als »Best Musical« und, man mag es kaum glauben, als »Best Book of a Musical«. Siebeneinhalb Jahre lief »Grease« in 3388 Vorstellungen am Broadway. Der Film von 1978, mit John Travolta und Olivia Newton-John als schüchternem Liebespaar, trug den Ruhm der Story um den Globus; vier Songs zusätzlich steuerten dafür die Bee Gees bei. Die beiden wohl berühmtesten Titel, »Hopelessly Devoted to You« und »You’re the One that I Want«, stammen indes von John Farr. Mehrfach Platin für acht Millionen verkaufter Platten errang der Soundtrack. »Grease« sprengt alle Rekorde, ist ein Dauerbrenner bis heute. Die wahre Geschichte des Musicals beginnt jedoch noch früher, als zwei Freunde ein Stück über den Rock’n’Roll ihrer Teenager-Zeit schrieben, es im Sommer 1971 in einem Geräteschuppen vor 120 Zuschauern aufführten – und damit einen Hit landeten. Schon 1972 feierte ein gestrafftes »Grease« New-York-Premiere, ging in mehreren Besetzungen auf Welttour.

Wieder reist das Musical, diesmal in David Gilmores erprobter Londoner West-End-Produktion und der straffen Choreografie von Melissa Williams & Carla Kama. Wieder macht es auch in Berlin Station. Der Admiralspalast ist damit Teil jener Erfolgsstory um Liebe auf der Highschool. Um weniger geht es nicht, leider auch nicht um mehr, aber für Teenager nicht nur von 1959 ist das schon viel. Viel Dekoration braucht die Inszenierung nicht, was für die Qualität von Musik und Spiel spricht. In der ersten Etage des schlichten Bühnenaufbaus sitzt, neonlichtgerahmt und meist vorhangverdeckt, das Orchester, darunter ereignet sich mit Teenie-Getöse das Geplänkel und Geflirte der T-Birds, das sind die Boys, und der Pink Ladies. Erster Schultag nach den Ferien: Man erzählt sich die Urlaubsromanzen. Auch Danny und Sandy hatten eine, sind nun in Liebe entbrannt. Zum Glück ist Sandy nicht in die Klosterschule gegangen, sondern wechselt just in jene Highschool, in der Dannys letztes Jahr startet. Jeder der beiden erzählt der Clique, wie verliebt er/sie war, aber Danny fehlt noch der Mut, es bei der Begegnung mit Sandy auch einzugestehen.

So braucht es zwei Akte und zwölf Szenen, ehe die Trauer ein Ende hat und die Verliebten einander »You’re the One that I Want« zusingen. Sandy hat da die Metamorphose vom Landei zur Stadtbiene durchgemacht und schlägt alle Konkurrenz um Danny um Haupteslängen. Manch echtes Problem klingt an, die Last mit dem Sex etwa, die Sorge um den Job nach der Schule und um den Platz in der Gemeinschaft. Einer möchte Sänger werden, eine Kosmetikerin, eine andere glaubt schwanger zu sein: »Du hast `nen Braten in der Röhre« – so deftig sind die deutschen Texte.

Temporeich läuft die Handlung, getragen von mitreißenden Choreografien und der Ohrwurm-Musik. In Lederjacken zu Jeans agieren die Jungen, in Petticoats die blonden Girls. Cheerleader-Tanz üben sie, raufen um die Jungen, feiern mit Teddy heiße Pyjama-Partys zwischen Micky Mouse und Elvis-Konterfei. Der erscheint dann wirklich in einem Traumbild, umtanzt von Glitzerengeln.

In Ironie ist vieles getaucht, manches bewusst überdreht, und das macht die »Grease«-Story erträglich. Freude bereiten Gesangsleistungen, allen voran Sanne Buskermolen als stimmgewaltige Sandy. Lars Redlichs Danny und Michael Hellers Doody und, als köstliche Charakterstudie, Omri Scheins Eugene stehen dem kaum nach.

Bis 20.3., Admiralspalast, Friedrichstr. 101, Mitte

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