»Die Mehrheit ist gegen eine Verzerrung des Islam«

Sayed Wiqar Ali Shah über die Eskalation der Gewalt in Pakistan

Prof. Dr. Sayed Wiqar Ali Shah ist seit 2009 Gastprofessor am Südasien-Institut in Heidelberg. Forschungsschwerpunkte des pakistanischen Akademikers sind u. a. das Moderne Südasien, Afghanistan, die Politik in Pakistan sowie die Entwicklung in den Stammesgebieten der Paschtunen. Mit dem Wissenschaftler sprach für ND Antje Stiebitz.

Prof. Dr. Sayed Wiqar Ali Shah

ND: Am vergangenen Donnerstag hat ein US-Drohnenangriff in Pakistan mehr als 50 Tote und Verletzte gefordert, zuvor waren bei Attentaten Dutzende Menschen gestorben. Getötet wurden auch Salman Taseer, Gouverneur der Provinz Punjab, und der Minister für religiöse Minderheiten Shahbaz Bhatti. Sie mussten sterben, weil sie das Blasphemie-Gesetz ändern wollten. Dieses Gesetz verbietet die Beleidigung jeder Religion, wird aber praktisch nur »zum Schutz« des Islam angewendet.
Ali Shah: Die jüngsten Ereignisse um die Blasphemie-Debatte haben für große Bedenken bezüglich einer steigenden Militanz der Extremisten gesorgt. Ich glaube, dass diese Besorgnis übertrieben ist, da die Ereignisse nicht mit der in Pakistan herrschenden Gesinnung übereinstimmen. Der Islam predigt Toleranz und Frieden. Extremismus, wie er von einigen Kreisen in Pakistan ausgedrückt wird, ist dem Islam, der einen »Mittelweg« betont, fremd. Jede Form des Extremismus stellt eine ernste Bedrohung zivilisierter Gesellschaften dar. Kriminelle Elemente, die soziale Risse schaffen und für ihre abscheulichen Taten auch noch straflos davonkommen – das darf künftig nicht gestattet werden. Die Mehrheit der pakistanischen Bevölkerung ist moderat, progressiv, und würde diese verzerrte Auslegung des Islam nicht unterstützen.

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