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Werkstätten im Wandel

Unterfranken: Behinderteneinrichtungen bieten komplexe Dienstleistungspakete an

  • Von Daniel Staffen-Quandt, epd
  • Lesedauer: 3 Min.
Anders als Betriebe in der freien Wirtschaft haben Werkstätten für Behinderte auch in Krisenzeiten eine Beschäftigungspflicht. In den Mainfränkischen Werkstätten sucht man Wege, die Auftragslage stabiler zu machen.
Zwei Mitarbeiter der Mainfränkischen Werkstätten
Zwei Mitarbeiter der Mainfränkischen Werkstätten

Werner Sendner kann nicht klagen. »Die Auftragslage ist gut«, sagt der Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten GmbH in Würzburg. Das aber ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die Weltwirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat einige Werkstätten für behinderte Menschen schwer getroffen. »Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht«, sagt Sendner. Vor und während der Krise wurde umstrukturiert.

Jahrzehntelang waren die Werkstätten in Deutschland, von denen viele von Donnerstag bis Sonntag auf der Werkstätten-Messe in Nürnberg vertreten waren, vor allem eines: eine Art verlängerte Werkbank für Auftragsarbeiten im sogenannten Niedriglohnbereich. »Das funktioniert natürlich nur, wenn die Wirtschaft zu tun hat«, sagt Sendner, der an den fünf Standorten der Mainfränkischen Werkstätten für 1300 Mitarbeiter verantwortlich ist. Sobald die Auftragsbücher leerer werden, geht auch der Bedarf an Auftragsarbeiten zurück. Die Werkstätten sind oft die ersten, die das zu spüren bekommen.

Doch anders als Betriebe in der freien Wirtschaft können und wollen die Werkstätten ihre Mitarbeiter in diesem Fall nicht einfach beurlauben, in Kurzarbeit schicken oder gar entlassen. »Eine Werkstatt ist in erster Linie eine Rehabilitationseinrichtung«, erläutert Claudia Fischer von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten. Das heißt: Sie hat eine Beschäftigungspflicht. Jeder Mensch mit Behinderung, der auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Stelle findet, muss dort arbeiten dürfen.

Suche nach Sicherheit

Das Wort Behinderung hört Sonja Scheublein allerdings nicht so gerne. »Meine Behinderung behindert mich nicht«, erklärt sie. Klar, sie braucht Krücken. Und sie läuft etwas langsamer als andere. Trotzdem kommt sie Tag für Tag für acht Stunden in die Mainfränkischen Werkstätten zur Arbeit. »Es gibt immer Wege, dass auch ich eine Arbeit erledigen kann«, sagt Scheublein, die stellvertretende Vorsitzende des Werkstattrates, der eine Art Betriebsrat ist. Etwa, indem man die Arbeiten in verschiedene Schritte aufteilt.

Ein wichtiges Ziel der Umstrukturierungen war, vom reinen Dienstleister für die Industrie und den Mittelstand zu deren Partner zu werden, sagt Geschäftsführer Sendner. Das Stichwort lautet hier »Systemleistungen«. Anstatt einzelne Arbeitsschritte im Fertigungsprozess eines Produktes zu übernehmen, biete man vom Materialeinkauf über die Fertigung bis hin zur Lagerhaltung ein komplettes Dienstleistungspaket an, erklärt Werkstattleiter Peter Estenfelder. Das binde Behindertenwerkstatt und Unternehmen stärker aneinander.

»Das wiederum bietet uns mehr Sicherheit«, sagt Sendner. Denn selbst wenn die Auftragsbücher dünner werden, »verlagert man solch komplexe Kooperationen nicht von heute auf morgen woanders hin«, betont der Geschäftsführer. Noch mehr Sicherheit für die Werkstätten und deren Mitarbeiter erreichen Werkstätten auch, indem sie sich nicht zu sehr auf einen einzelnen Auftraggeber oder eine bestimmte Branche stützen. »Je breiter man sich aufstellt, desto krisenresistenter ist man.«

Catering-Service gegründet

Fast noch wichtiger aber sei es, selbst Arbeit für die eigenen Mitarbeiter zu schaffen. Die Mainfränkischen Werkstätten haben deshalb schon vor Jahren einen Catering-Service gegründet. »Wir beliefern Schulen mit Mittagessen«, erläutert Sendner. »Mit solchen Nischen sind wir nicht erst seit der Krise sehr erfolgreich«, fügt er hinzu.

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